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Olaf Schultz

zur DLG-Wintertagung

Kopfdünger

Die Zeit der Lippenbekenntnisse, ein Unternehmer zu sein, ist endgültig vorbei. An dieser Kernaussage ließ keiner der Referenten auf der Wintertagung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) zum Thema „Mehr Markt für Landwirte – Herausforderungen, Konsequenzen, Strategien“ Zweifel bei den Teilnehmern aufkommen. Und diese waren so zahlreich erschienen wie in keinem Jahr zuvor. In Münster wurde nicht versäumt, den Finger in so manche offenkundige Wunde des Berufsstands zu legen. Dies hatte jedoch nichts mit Jammern oder Wehklagen gemein. Vielmehr diente diese realistische Bestandsaufnahme als Kompass für den Weg in die neue „entkoppelte“ Agrarwelt.

Klar zum Ausdruck gebracht wurde, dass „Wettbewerbsfähigkeit“ kein abgedroschener Begriff ist, obgleich es manchmal den Anschein hat. Eine größere EU, die stärkere Öffnung gegenüber den globalen Agrarmärkten im Rahmen der WTO und nicht zuletzt der nunmehr im „Jahr 1“ praktizierte Umbau der Agrarstützung hin zu produktionsunabhängigen Zahlungen geben Wettbewerbsfähigkeit vielmehr einen neuen „Anstrich“. Die Grundlagen für den Erfolg auf den zunehmend globalisierten Märkten werden künftig mehr denn je auf dem eigenen Betrieb gelegt, gab DLG-Präsident Philip Freiherr von dem Bussche zu bedenken. Ein merkliches Raunen unter den Teilnehmern dürfte als Indiz dafür zu werten sein, dass diese Erkenntnis bei vielen Landwirten längst noch nicht verankert ist. Bussche empfahl, die eigene Situation konsequent zu analysieren. Denn Risiken auf den Agrarmärkten werden künftig zunehmen – nicht nur in der Größe, sondern auch in der Geschwindigkeit, argumentierte Juergen Steinemann vom niederländischen Unternehmen Nutreco. Die Branche sollte angesichts dessen aber nicht in Panik verfallen. Wer die Tagung nämlich aufmerksam verfolgte, dem wurden so manche Chance und attraktive Möglichkeiten auf dem Weg zu „mehr Markt“ aufgezeigt. Fachliche Kompetenz, gut ausgebildeter Nachwuchs, Verbrauchernähe, Mut zum Risiko, hohe Qualität und Technologievorsprung sind schon heute keine leeren Worthülsen, wie zahlreiche erfolgreiche Vertreter der Praxis in Münster überzeugend verdeutlichten.

Die diesjährige Wintertagung hatte zum Ziel, möglichst viele wegweisende Antworten für die künftigen Weichenstellungen erfolgreicher Unternehmer in der Landwirtschaft zu geben. Veranstalter und Referenten konnten diesem Anspruch gerecht werden. Patentrezepte auf dem Weg dorthin gibt es nicht. Wer für sich aber die Entscheidung trifft, Akteur auf den Märkten von morgen sein zu wollen, sollte sich an den grundsätzlichen Aussagen der Tagung orientieren. Immerhin hat die Veranstaltung genügend „Kopfdünger“ geboten, wie Bussche es treffend auf den Punkt brachte. Bedauerlicherweise ließ es sich auch in diesem Jahr nicht einrichten, dass der Kopf der deutschen Agrarpolitik der Tagung beiwohnen und zuhören konnte. Der weltweite Wettbewerb um Standorte wird auch politisch entschieden.
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