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Steffen Bach

zum Schweinemarkt

Durchblick

Der deutsche Schlachtschweinemarkt leidet seit Jahren an einer mangelnden Transparenz. In den Schlachtbetrieben werden die unterschiedlichsten Abrechnungsmasken und Klassifizierungsmethoden verwendet. Die Mäster können kaum einschätzen, bei welchem Schlachthof sie ihre Schweine am besten vermarkten können. Die Grüne Seite wirft den Schlachtbetrieben vor, die Masken weniger zur qualitätsgerechten Bezahlung, als vielmehr zur Vernebelung der Preise zu nutzen. Für zusätzliches Unbehagen sorgt die Tatsache, dass die Klassifizierung von den Schlachtbetrieben selbst vorgenommen wird.

Doch auch die Landwirte selbst sind nicht ganz unschuldig an der Situation. Sie haben es versäumt, zumindest eine einheitliche Handhabung innerhalb der genossenschaftlichen Unternehmen durchzusetzen. Aber auch die Verhandlungstaktik manches Mästers fordert die Rote Seite geradezu heraus, überhöhte Basispreise bei der Klassifizierung und Verwiegung zu „korrigieren“.

Bedenklich ist, dass nur die wenigsten Mäster ihre Schweine wiegen, bevor sie an den Schlachthof geliefert werden. Franz Meyer zu Holte, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Damme, hat es am Donnerstag auf der Mitgliederversammlung in Münster drastisch formuliert: „Wer nicht wiegt, hat den ersten Schritt zum Ausstieg aus der Schweinehaltung getan.“ Denn nur wer das Lebendgewicht der Tiere kennt, kann den Ausschlachtungsgrad errechnen. Erfahrungen der ISN zeigen, dass es beim Ausschlachtungsgrad erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Schlachtunternehmen gibt. Da bei der Abrechnung das Schlachtgewicht zu Grunde gelegt wird, ist ein Vergleich der Ausschlachtungsgrade für die Mäster von besonderem Interesse. Doch auch bei der Ermittlung des Muskelfleischanteils, der Indexpunkte oder den Vorkosten gibt es in den verschiedenen Schlachtunternehmen unterschiedliche Systeme. Selbst innerhalb eines Unternehmens ergeben sich nach den Erfahrungen der ISN, trotz einheitlicher Regeln, Unterschiede zwischen den einzelnen Schlachtstätten. Offenbar spielt auch der Faktor Mensch eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Die fehlende Transparenz führt immer wieder zu Konflikten zwischen Mästern und Schlachtunternehmen. Deshalb sollten beide Seiten daran interessiert sein, gemeinsam ein einheitliches Abrechnungssystem zu entwickeln. Hilfe vom Gesetzgeber ist nicht zu erwarten. Zwar diskutieren Bund und Länder zurzeit über Änderungen beim Vieh- und Fleischgesetz, die Klassifizierung und Verwiegung ist bisher jedoch kein Thema.

Um den Durchblick zu erhöhen – und wohl auch um Druck auf die Schlachtunternehmen auszuüben –, plant die ISN jetzt einen eigenen Schweinepreisvergleich für die deutschen Schlachtbetriebe. Das Thema ist heikel und wird deshalb mit Vorsicht und ohne Zeitdruck angegangen. Denn wenn es für die Schlachtbetriebe eine Rangliste geben soll, muss diese auch einer objektiven Prüfung standhalten.

Von den Landwirten wird immer wieder gefordert, sich an vertikalen Produktionssystemen zu beteiligen. Grundlage für eine feste Zusammenarbeit ist Vertrauen zwischen den Partnern. Ohne mehr Transparenz wird dieses Vertrauen nicht wachsen.
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