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Horst Hermannsen

zum Milchquotenpreis

Traumtänzer

Enttäuschend klein war das Angebot bei der jüngsten Milchquotenbörse und die bezahlten Preise betriebswirtschaftlich überhöht. Betriebsleiter, die für den künftigen Markt investiert haben, werden damit ausgehebelt. Kleinbauern ohne Perspektiven indes wursteln weiter wie bisher und schimpfen auf die Politik und ihre Marktpartner, die angeblich zu wenig für die Milch bezahlen.

Der Unmut mancher Milchbauern ist verständlich und geht doch am Ziel vorbei. Die Milchpreissenkung ist politisch gewollt. Ziele sind Strukturwandel und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Beides ist untrennbar miteinander verbunden. Die Überraschung, die lokale Agrarpolitiker heucheln, ist so unecht wie die Krokodilstränen, die sie öffentlich vergießen. Die Erhöhung der Quote bei gleichzeitiger Senkung der internen und externen Stützung muss zur Senkung der Preise führen. Und genau das hat die Politik im Rahmen der Agenda 2000 festgeschrieben. Es sind also nicht bösartige Milchbarone und bauernmordende Lebensmittelhändler, die dafür Verantwortung tragen. Die Forderung nach Verschiebung der Quotensenkung, wie sie auch in Bayern geäußert wird, ist weder ernst zu nehmen noch ernst gemeint. Hier versucht die Landespolitik, Scheinsolidarität mit den Milchbauern herzustellen.

Auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) nutzt die Verunsicherung der Landwirte und wirbt für sich mit unseriösen Versprechungen. Ein Erzeugerpreis von 40 Cent pro Kilogramm Milch sei erforderlich und auch durchsetzbar, heißt es bei den Chefillusionisten des BDM lapidar. Wie? Ganz einfach: Den Molkereien müsse nur via Lieferboykott der Milchhahn zugedreht werden, lautet das simple Rezept der selbst ernannten Marktexperten. Nachsichtig mildes Lächeln wäre bei derartigen Traumtänzereien angebracht, würden nicht verzweifelte Bauern ihre Hoffnungen daran knüpfen. Bei allem Verständnis für die Nöte von Erzeugern, die gefangen sind in der Diskrepanz zwischen Vollkosten und Erlösen, hat sich der Bauernverband Realitätssinn bewahrt. Deshalb verunglimpft ihn der BDM als Gegner der Milcherzeuger und Interessenvertreter der Molkereien. Das aber ist blanker Unsinn.

Die Landwirte werden sich auf Milchpreise zwischen 22 und 25 Cent je Kilo einstellen müssen. Wenn es ihnen gelingt, ihre Produktion endlich in Einklang mit der Nachfrage zu bringen, werden die Preisabstriche langsamer und womöglich nicht ganz so drastisch ausfallen. Die Milchbauern sollten deshalb nicht gegen ihre Kunden, die Molkereien, protestieren, sondern vielmehr gegen schwarzen Schafe in den eigenen Reihen, die – koste es, was es wolle – ihre Quoten überliefern.

Das einfachste Marktgesetz lautet: Wer mehr produziert, als der Markt benötigt, wird mit sinkenden Preisen bestraft. Der internationale Milchmarkt bietet hervorragende Zukunftsperspektiven. Die kommerzielle Nachfrage steigt stärker als das Angebot. Davon profitieren können allerdings nur konkurrenzfähige Milchviehhalter. Überhöhte Quotenpreise schwächen jedoch die Wettbewerbskraft.
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