1

Dr. Angela Werner

zum Pflanzenschutzmarkt

Aufwind

Lange Zeit war der globale Pflanzenschutzmarkt geprägt von einem leichten Rückgang oder bestenfalls von Stagnation. Erstmals seit fast zehn Jahren konnten die Pflanzenschutzmittelhersteller im vergangenen Jahr von einem signifikanten Umsatzanstieg berichten. So wurde die 30-Mrd.- US-$-Marke überschritten und mit einem Umsatzvolumen von 32,2 Mrd. US-$ ein Zuwachs von knapp 13 Prozent erwirtschaftet. Hierzu haben verschiedene Entwicklungen beigetragen.

Zum einen wurde der Pflanzenschutzmittelabsatz durch die stabilere Wirtschaftslage in wichtigen Ländern Südamerikas begünstigt und zusätzlich durch die Ausbreitung von Sojarost beflügelt. Von dieser für die Landwirte ungünstigen Entwicklung haben fast alle Hersteller, die wirksame Fungizide anbieten konnten, profitiert.

Umsatzzuwächse von 20 bis 30 Prozent waren keine Seltenheit. Diese Zuwächse wird es in diesem Jahr wohl nicht mehr geben. Vielmehr richten sich die Hoffnungen der Hersteller jetzt auf Nordamerika, sollte sich Sojarost dort etablieren. Alle Anbieter stehen mit den entsprechenden Fungiziden in den Startlöchern. Die Marktentwicklung in den Nafta-Staaten – also USA, Kanada und Mexiko – war im vergangenen Jahr eher rückläufig. So bestreitet diese Region nurmehr einen Anteil von 23 Prozent am Weltmarkt und ist damit auf Rang 3 zurückgefallen, ein Jahr zuvor waren es noch 31 Prozent. Einer der Gründe liegt in dem wachsenden Anbau von gentechnisch veränderten Sorten, wodurch die Nachfrage nach Herbiziden geringer ausgefallen ist.

Die Nase vorn hat nun Europa mit einem Anteil von 25 Prozent am Weltmarkt, nicht zuletzt durch die EU-Erweiterung um zehn neue Länder. Die EU-25 ist nun mit über 6,6 Mrd. EUR weltweit der größte Pflanzenschutzmarkt. Damit hat die EU auch den asiatischen Markt einschließlich Ozeanien mit 6,4 Mrd. EUR Umsatz überflügelt. Der Löwenanteil mit 5,9 Mrd. EUR in der EU entfällt nach wie vor auf die alten EU-15-Staaten, die neuen Mitgliedstaaten steuern „nur“ 700 Mio. EUR bei. Aber gerade in den neuen mittel- und osteuropäischen Mitgliedsländern und angrenzenden Staaten wird ein großes Wachstumspotenzial in den kommenden Jahren gesehen.

In Westeuropa sind große Umsatzzuwächse dagegen nicht zu erwarten. Dieser Markt ist jedoch für die Unternehmen hoch profitabel, auch wenn die Anforderungen an Zulassung und Registrierung sehr hoch sind und oft kritisiert werden. So sind die Hersteller gerade in Deutschland sehr unzufrieden mit der praktischen Umsetzung des Zulassungsverfahrens für Pflanzenschutzmittel. Vorprüfungen dauerten statt drei Monate in der Regel das Dreifache der Zeit. Von den Hauptprüfungen, für die ein Zeitraum von zehn Monaten gesetzlich vorgesehen ist, gibt es Fristüberschreitungen bei rund der Hälfte der Zulassungsanträge. Dadurch würde der Saisonstart häufig verpasst.

Auch auf Europa-Ebene wird in den kommenden Jahren einiges Neues in puncto Zulassungsanforderungen auf die Pflanzenschutzindustrie zukommen. So soll die EU-Pflanzenschutzrichtlinie novelliert werden, um die Zulassung in der EU zu harmonisieren. So wird zum Beispiel überlegt, ob es künftig eine Zulassung von Produkten nach Klimazonen geben soll. Auch ist eine vergleichende Bewertung im Gespräch: Das heißt, ein Wirkstoff erhält keine Zulassung, wenn deutlich risikoärmere bereits am Markt sind. Auch könnte es zu einer Prüfung aller Beistoffe in einem Pflanzenschutzmittel kommen. Die Hersteller befürchten, dass Innovationen durch die wachsenden Anforderungen ausgebremst werden, zumal eine Beistoffprüfung auch im Rahmen der Chemikalienverordnung REACH vorgesehen ist. Aber sowohl die Novelle der EU-Richtlinie als auch die Umsetzung der Chemikalienverordnung ist nicht vor 2008 zu erwarten. Es bleibt also noch Zeit zur Diskussion. Nichtsdestotrotz sind die Aussichten am europäischen Pflanzenschutzmarkt durchaus gut. Die EU-25 wird sicher weiter an Gewicht gewinnen.
stats