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Jan Peters

zu Toepfer International

Ostwärts

In den mittlerweile traditionellen Gesprächen zwischen Toepfer International und der Agrarzeitung Ernährungsdienst berichtete das Management des renommierten Hamburger Handelshauses in diesem Jahr von sich wandelnden Verbrauchsstrukturen auf den Weltmärkten. Und genau davon profitiert Toepfer: Futtermittel werden nicht mehr nur für die Veredlung, sondern inzwischen auch in größeren Mengen als Energieträger in Kraftwerken bereitgestellt.

Die Ursprungsländer von solchen Rohstoffen wie beispielsweise Palmkernprodukte müssen sich nicht mehr mit ihren Forderungen allein auf dem EU-Markt durchsetzen. Mit steigendem Wirtschaftswachstum in anderen Regionen dieser Welt werden auch dort diese Rohstoffe stärker nachgefragt. Für einen weltweit aufgestellten Händler wie Toepfer ist das eine große Chance. In Asien, Lateinamerika und vor allem auch in Osteuropa haben sich in den zurückliegenden Jahren sehr profitable Märkte aufgetan.

Unverändert positiv wirkt sich für Toepfer International die weiter voranschreitende Liberalisierung der Agrarmärkte aus. Dies ist allerdings in der EU noch nicht so zu beobachten. Wegen des aggressiven Vermarktungsverhaltens der osteuropäischen Länder, besonders Russland und die Ukraine, hatten hiesige Exporteure es bisher schwer, deutschen Weizen in Drittländer zu verkaufen. Vor allem auf den angestammten Exportmärkten norddeutscher Exporteure im Nahen Osten und Nordafrika ist die Nachfrage bislang so gut wie ausgeblieben. Höhere Ernten in der Europäischen Union könnten auch nach Meinung der Geschäftsführung von Toepfer zu weiter steigenden Getreidebergen führen, wenn mangels Exportmöglichkeiten die Intervention auch im kommenden Wirtschaftsjahr wieder in Anspruch genommen wird.

Im norddeutschen Landhandel werden Stimmen laut, die kritisieren, dass Toepfer International sich zunehmend den Märkten in der Ukraine, Rumänien und Südrussland zuwendet. Es ist aber eine ganz normale Marktentwicklung. Man engagiert sich dort stärker, wo günstig produziert werden kann. Mit dem intensiven Ausbau der Infrastruktur in diesen Gebieten wird die Konkurrenz größer und der Wettbewerb um die Märkte härter. Leidtragende einer solchen Entwicklung sind natürlich die Erzeuger in einem Hochpreisland wie Deutschland mit im Vergleich zu Osteuropa kleinen Strukturen.

Ein Unternehmen in der Größenordnung von Toepfer International muss seine Strategien langfristig ausrichten. Als Jürgen Stephan, langjähriger Sprecher der Geschäftsführung, im vergangenen Jahr erstmals die Warnung vor steigenden Interventionsbeständen bei Getreide aussprach und daraufhin eine aktive Exportpolitik der EU-Kommission forderte, wollte kaum jemand seinen düsteren Prognosen folgen. Jetzt nehmen die Einlagerungen von Getreide in der EU zu, während die traditionellen Märkte mit billigerer Ware aus den ehemaligen GUS-Staaten abgedeckt werden. Meldungen über den Bedarf von 400±000 neuen Mähdreschern in Russland zur Bewältigung der dortigen Ernten lassen Größenordnungen erwarten, mit denen es die Getreideerzeuger hierzulande in Zukunft zu tun haben werden.
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