1

Jan Peters

zur Rapsvermarktung

Absichern

Rapspreise, wie sie für die Ernte im kommenden Jahr 2006 bezahlt werden, haben viele Erzeuger vor allem in den neuen Bundesländern dazu bewegt, schon heute Lieferverträge mit bemerkenswert hohen Preisen abzuschließen. In den vergangenen zehn Tagen wurden von Landhandel, Genossenschaften und offenbar auch von einigen Ölmühlen größere Mengen an Raps der Ernte 2006 zu Preisen von etwa 22 EUR/dt ab Hof je nach Parität und Markt gekauft. In der Spitze wurden sogar 22,50 EUR/dt vereinbart. Für Landhandel und Genossenschaften bedeuten diese Einkäufe ein hohes unternehmerisches Risiko, wenn keine ausreichende Absicherung gegen fallende Notierungen vorgenommen wird.

Unternehmerisch denkende Betriebsinhaber nutzen daher vielfach die Warenterminbörse, um mit Verkäufen dort einen Gegenpol zu den Einkäufen zu bilden. Andere Agrarhandelsunternehmer setzen dagegen auf Marktgespür und Weitsicht. Große eingekaufte Mengen an Rapssaat werden in den Büchern gehalten, in der Hoffnung, dass die Preise in den kommenden Monaten steigen. Dies führte in manchen Jahren zu hohen Gewinnen – ganze Siloanlagen im Hamburger Hafen wurden von solchen Erlösen bezahlt. In manchen anderen Jahren mussten aber auch Rückstellungen in der Bilanz wegen anfallender Verluste aufgelöst werden. Für Agrarhandelsunternehmen, die keine Risikoabsicherung vornehmen, aber größere Mengen an Raps in der Landwirtschaft eingekauft haben, bleibt nichts anderes übrig, als auf steigende Rapsnotierungen zu hoffen. Die derzeitige Marktsituation scheint ihnen Recht zu geben. Was ist geschehen? Seit Anfang August fielen die Notierungen an den internationalen Ölsaatenmärkten auf Grund verschiedener Faktoren deutlich zurück. So wurde die US-Sojabohnenernte in den zurückliegenden beiden Monaten höher eingeschätzt. Berichte über Trockenheit in den USA führten anfänglich zu einem kräftigen Preisanstieg an der Chicagoer Börse. Meldungen über die anschließende Wetterbesserung sorgten dann wieder für einen Absturz.

Der Rapsmarkt aber hat sich von diesen Marktverläufen weitgehend gelöst. Die hiesigen Notierungen bilden auf Grund der hohen Nachfrage am Markt für Pflanzenöle eine Eigendynamik.

Obwohl einige Rapshändler auf die hohe Ernte in Frankreich und Deutschland hinwiesen, zogen die Notierungen an den europäischen Warenbörsen an. Kein Ende der freundlichen Stimmung scheint derzeit in Sicht zu sein. Genau zu diesem Zeitpunkt wurde nicht nur an die Vermarktung der diesjährigen Rapsernte gedacht, sondern einige findige Händler kauften erste Mengen an Rapssaat vor der diesjährigen Aussaat aus der nächsten Ernte 2006. Dies löste besonders in den ostdeutschen Ländern in kürzester Zeit eine Einkaufslawine aus und viele Handelsunternehmen meinten zu diesem Zeitpunkt, sich daran beteiligen zu müssen. So wurden, noch bevor die neue Rapssaat ausgesät war, gut 10 Prozent der üblichen Erntemenge in den neuen Bundesländern unter Vertrag genommen. Dieser Anteil ist bis heute auf etwa 20 Prozent gestiegen. Aus Furcht, Marktanteile zu verlieren, wurde mit geboten.

Die Hysterie an den Märkten zeigt jedoch auch, dass sich Erfassungsunternehmen durch vielfach fehlende professionelle Risikoabsicherung in sehr gefährliches Fahrwasser begeben. Zukünftig werden Landhandel und Genossenschaften zunehmend gezwungen sein, entweder eine engere Zusammenarbeit mit dem internationalen Handel zur Risikoabsicherung anzustreben. Oder sie müssen sich verstärkt mit dem Instrument der Risikoabsicherung an Terminbörsen auseinander setzen, um Preisrisiken abzufedern. Wer hoch pokert, muss mit den Konsequenzen leben. Für die Erzeuger ist der Verkauf von Rapssaat der Ernte 2006 vor der Aussaat auf jeden Fall ein fester Bestandteil sicherer Kalkulationen.
stats