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Dagmar Hofnagel

zu Fleischprogrammen

Sicher zu viele

Schon wieder ein neues Label für Schweinefleisch: Think-P.I.N.K.- Fleisch aus Bayern, das von der Ladentheke über das Erbgut bis zu den Eltern der geschlachteten Tiere rückverfolgbar ist. Dies ist nach Angaben der beteiligten Landwirte europaweit das erste Mal möglich. Bisher war das Schwein trotz Ohrmarke und sonstigen Papieren ab dem Schlachthaken anonym. Das soll jetzt anders werden. Darüber hinaus haben sich die 40 Betriebe in dieser Interessengemeinschaft nach ISO-Norm zertifizieren lassen – in der Landwirtschaft auch nicht unbedingt verbreitet. Sie haben also etwas Neues zu bieten. Die Sicherheit für den Verbraucher wird dabei ganz groß geschrieben.

Markenfleischprogramme, regionale Programme für Fleisch aus der Region und nicht zuletzt die Aktivitäten von QS (Qualität und Sicherheit) überschwemmen den Markt mit Zeichen, die die Verbraucher kaum noch registrieren oder gar nicht erst erkennen oder zuordnen können. Dennoch gibt es immer wieder Ansätze in der Landwirtschaft, sich mit neuen Ideen von der herkömmlichen Ware abzusetzen. Dieses Verhalten zeichnet Unternehmer aus und ist zu begrüßen. Schließlich ist der Ruf nach sicheren Lebensmitteln nach den Futtermittelskandalen und nicht zuletzt nach BSE nicht abgerissen. Dennoch kann die Landwirtschaft ihr angekratztes Image nicht so recht abschütteln, und den Verbrauchern wird nur sehr mäßig vermittelt, welche Anstrengungen wirklich unternommen werden, um sichere Lebensmittel zu produzieren. Vor dieser Aufgabe stehen jetzt auch die 40 Landwirte aus dem Raum Würzburg. Mit 60.000 bis 70.000 Schweinen im Jahr werden sie die Welt nicht aus den Angeln heben, auch wenn sie noch so gute Qualitäten, mehr Sicherheit und neue Dinge anzubieten haben. Sich selber sehen sie auch eher als Bediener einer Nische. Der Verbraucher vergisst schnell, und im Moment ist die Nachfrage nach den Herkünften der Tiere nicht mehr so ausgeprägt wie zu BSE-Zeiten. Es zählt eher der Preis, als die Herkunft für eine Kaufentscheidung. Dieser Markt wird mit Leichtigkeit auch aus dem Ausland bedient. Hier ist nicht gesagt, dass Sicherheitsprogramme Grundlage der Produktion sind. Es ist auch nicht auszuschließen, dass all das Neue, womit jetzt geworben wird, einmal die Norm werden könnte und der jetzt noch finanzielle Vorteil nicht mehr gewährt wird. Einen sicheren Verdienst haben in erster Linie die Zertifizierer und Auditoren.

Die Bemühungen sind ohne Zweifel positiv zu bewerten, und die Landwirte haben einen höheren Preis für ihre Ware verdient. Denn neben Forschungsgeldern haben auch sie investiert und müssen weiter für die Überprüfungen bezahlen. Jetzt kommt es darauf an, wie den Verbrauchern ihr Vorteil beim Kauf ausgerechnet dieses Fleisches vermittelt werden wird. Bleibt abzuwarten, ob die Erwartungen der engagierten Unternehmer erfüllt werden und die Sicht durch die rosarote Brille nicht getrübt werden muss.
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