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Jan Peters

zur Hage Kiel

Marktkraft

Die Hage Kiel sorgt erneut für Überraschungen. Der Kieler Vorstand hat sich zur Zusammenarbeit mit der schwedischen Genossenschaft Svenska Lantmännen entschieden. Der frühere Gedanke einer Gemeinschaft von Genossenschaften im Ostseeraum, einer „Baltic Cooperate“, ist damit einen Schritt weitergekommen. Mit einer Zusammenarbeit mit der größten schwedischen Genossenschaft hatte so recht keiner gerechnet. Bereits in den neunziger Jahren hatte sich eine Genossenschaftsgruppe aus dem Süden Schwedens mit dem Agrarhandel Nordkorn in Mecklenburg-Vorpommern im Landhandel engagiert. Nach einigen schwierigen Jahren in schwerem finanziellen Fahrwasser haben die sonst kapitalstarken Schweden das Feld in Norddeutschland schnell wieder geräumt. Für den Markt kommt daher ein erneutes Engagement bei der Hage überraschend.

Bereits 2005 gelang es dem Hage-Vorstand, mit dem Zusammengehen mit der Team Agrarhandelgesellschaft KG eine Zusammenarbeit mit einer der großen Primärgenossenschaften im Lande und der dänischen DLG einzugehen. Der Vorstand nutzte jede Möglichkeit, die Synergien dieser unterschiedlichen Unternehmen für die gemeinsame Sache und somit für die Hage zu nutzen. Die Marktanteile vor allem in den Bereichen Getreide und Futtermittel wurden deutlich ausgebaut. Ein wahrer Marktkampf begann aber im Futtermittelvertrieb zwischen dem privaten Landhandel und der Hage. Als Dienstleister für den dänischen Partner DLG wurde alles unternommen, den privaten Landhandel bei den Mischfutterkunden in Dänemark zurückzudrängen. Diese hatten sich dort in den zurückliegenden beiden Jahren ein beachtliches Marktpotenzial aufgebaut. Bis zu 250 km hinter der deutsch-dänischen Grenze sieht man die roten und gelben Lkw des Landhandels fahren.

Mit aller Macht wurden dort in den zurückliegenden Monaten Marktanteile zurückgewonnen. Das Werk Flensburg wurde mit Leben erfüllt und produziert jetzt für die dänische Viehwirtschaft. Ob jedoch bei diesen Aktionen viel Geld verdient werden kann, muss bezweifelt werden – im Gegenteil, in der Mischfutterproduktion verliert die Branche derzeit erhebliches Kapital. Dennoch: Der Mischfutterabsatz in Dänemark hat durch die Zusammenarbeit mit der DLG und deren gutem Auslieferungsnetz zumindest, was den Absatz angeht, Erfolge erbracht.

Einige Altaktionäre in Kiel reagieren auf den Eintritt der Schweden mit Skepsis. Schon mit dem Verlust von 51 Prozent der Anteile der Hage an die Gesellschafter der Team Agrarhandelgesellschaft, die von der dänischen DLG kontrolliert wird, haben die Alteigentümer der Hage an Einfluss verloren. Mit dem Eintritt der Schweden gehen weitere Anteile der Hage an die Skandinavier. Ob dies immer zum Vorteil der Altaktionäre der Hage ist, muss sich in Zukunft zeigen. Der private Landhandel, der in Norddeutschland immer noch einen Marktanteil von über 50 Prozent hält, sieht die neue Konstellation bislang noch sehr gelassen. Ob das auch für die Zukunft gilt, bleibt abzuwarten. Der Wettbewerb um die dänischen Kunden im Mischfutter zeigt, dass sich manches durch eine gezielte Zusammenarbeit auch beim privaten Landhandel vielleicht besser lösen lässt. Die Kieler Genossen haben es vorgemacht.
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