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Christian Posekany

zur Maisintervention

Aufreger

Die Verschärfung der Interventionskriterien für Mais ab 1. November ist zurzeit der Aufreger für die österreichische Getreidebranche – egal, ob Produzenten oder Handel – und auch für die Agrarpolitik. Bisher ziemlich von der Öffentlichkeit unbeachtet legte die Europäische Kommission im Verwaltungsausschuss Getreide den Vertretern der Mitgliedstaaten einen Verordnungsentwurf für vordergründig technische Änderungen bei den Interventionskriterien für Mais und Sorghum vor. Man wolle damit erreichen, dass insbesondere beim Sorgenkind Ungarn weniger Mais in der Intervention lande und jener, der dennoch in die öffentliche Lagerhaltung übernommen werde, länger lagerfähig sei.

Die Branche schäumt: Die Kommission lege „Killer-kriterien“ für die Maisintervention an, die einer „kalten Abschaffung“ dieses Marktordnungsinstruments gleichkämen. Die Wechselwirkung zwischen herabgesetztem maximalem Feuchtigkeitsgehalt, der eine längere Trocknung bedeutet, mit einem gleichzeitig reduzierten Höchstanteil von Bruchkorn und hitzegeschädigten Körnern schließe das Gros von Mais künftig von der Intervention aus. Längere Trocknung erhöhe nämlich den Anteil von hitzegeschädigtem Korn und trockenere Maiskörner würden am Lager leichter brechen als feuchtere. Ausschließlich Kopfschütteln ruft ein Mindesthektolitergewicht für die Intervenierbarkeit von Mais hervor: Nirgendwo in Europa sei beim Mais das Hektolitergewicht jemals ein Handelskriterium gewesen.

Die Kritik geht damit ins Prinzipielle. Warum hat es die Kommission so eilig, die Maisintervention gerade zu diesem Zeitpunkt abzudrehen? Warum so überfallsartig vor einer Ernte und nicht mit Zeit für Planung vor dem Anbau? Und: Ungarn ging zwar nach der Rekord-Maisernte 2005 mit riesigen Interventionsbeständen in das Wirtschaftsjahr 2006/07. Aber: Die Rekordernte wird sich 2006 mit Sicherheit nicht wiederholen. Europa wird aus der neuen Ernte nur knapp versorgt und die Intervention nicht mehr so das Thema sein. Rege Verkäufe aus der Intervention zu Preisen deutlich über dem Interventionspreis zeigten das. Die Lager leeren sich und die EU steigt dabei finanziell sogar gut aus. Darüber hinaus wachsen in Ungarn wie überall in Europa Bioethanolwerke wie die Pilze aus dem Boden. In wenigen Jahren werde der Rohstoffbedarf so stark wachsen, dass die Anbauflächen ausgedehnt werden müssten. Wäre es nicht dann an der Zeit, über die weitere Sinnhaftigkeit der Maisintervention nachzudenken? Bis dahin aber sei gerade für Österreich als kleiner Markt in unmittelbarer Nachbarschaft des Riesen Ungarn die Maisintervention eine lebensnotwendige Versicherung gegen Marktstörungen.

Und nicht zuletzt: Es handelt sich de facto um eine Reform der Marktordnung, deren Abstimmung in den Agrarrat gehört. Sie als technische Verwaltungsmaßnahme zu tarnen und durch den Verwaltungsausschuss schwindeln zu wollen, wo die Mitgliedstaaten viel weniger Mitsprache haben als im Rat, bringt das Fass bei vielen in Österreich endgültig zum Überlaufen.
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