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Hermann Steffen

zum Rapsmarkt

Bullisch

An den Rapsmärkten sind die Bullen los, denn die Rapspreise haben im Wochenverlauf den Jahreshöchststand erreicht. Mit den kräftig steigenden Notierungen hatte so schnell kaum einer gerechnet, denn Anfang Oktober waren die Preise an der Matif auf 254 €/t und damit um 10 €/t gegenüber der Spitze zurückgefallen. Doch durch den Einfluss haussierender Weizen- und Maismärkte musste sich keiner lange über verpasste Verkaufschancen ärgern. Inzwischen hat der Rapsmarkt durch höhere Ölpreise und größere Käufe des Lebensmittelsektors wieder an Dynamik gewonnen. Hatten in den vergangenen Wochen weder die Chicagoer Notierungen noch der wechselnde Dollarkurs den Rapsmarkt ernsthaft interessiert, geben steigende Sojanotierungen nun zusätzlichen Auftrieb. Durch die internationale Hausse an den Agrarmärkten sehen fast alle Analysten auch für Raps noch Preisphantasien nach oben, denn gegenüber dem Anstieg der Getreidepreise nimmt sich die Entwicklung bei Rapsaat bescheiden aus. Bisher folgte der Rapsmarkt den Entwicklungen in den USA nur gebremst, denn an der Matif dominiert das Basisgeschäft und Spekulanten fehlen noch weitgehend.

Doch die Rapspreise stehen und fallen mit den Energiemärkten. Nachdem die Mineralölpreise vor einigen Wochen noch die 80 US-$/Barrel avisierten, scheinen sich die Notierungen für Rohöl an der Nymex nun um die 60-US-$-Marke einzupendeln. Solange kein Krisenherd in Sicht ist, werden noch niedrigere Rohölpreise nicht ausgeschlossen, denn es wurde bereits erhebliches Spekulationskapital aus diesem Bereich abgezogen. Bei niedrigen Mineralölpreisen ist Rüböl für den Energiemarkt zu teuer und lässt sich für die Biodieselproduktion kaum mehr kalkulieren. Noch stärker sind die kleinen Pflanzenölpressen betroffen. Mit einem Restfettgehalt bis 14 Prozent im Ölkuchen können sie fast ein Viertel der Ölausbeute nicht nutzen, denn die höheren Ölgehalte im Rapskuchen bekommen sie nicht vergütet. Inzwischen ist in diesem Segment schon von Null- oder Minusmargen die Rede, denn auch der Absatz von Pflanzenöl ist problematisch. Allein in Rotterdam lagern 450±000 t Pflanzenöle, davon rund 170±000 t Rüböl. Hinzu kommen erhebliche Lagerbestände in den anderen Seehäfen und ein Abbau ist kurzfristig nicht in Sicht. Etwas besser ist die Stimmung bei den Extraktionsmühlen, denn die Preiserhöhungen für die Saat lassen sich mit höheren Öl- und Schrotpreisen kompensieren, auch wenn sie durch geringere aber kostendeckende Margen aufgefangen werden.

War die Verkaufsbereitschaft für Raps in den vergangenen Wochen äußerst verhalten, trennen sich Erfassungsstufe und Landwirtschaft jetzt mit Teilverkäufen von ihren Beständen. Sicherlich vernünftig, selbst wenn bärische Argumente derzeit kaum zu sehen sind. So verlockend die Aussicht auf höhere Preise auch sein mag, der höchste Preis in einem Bullenmarkt lässt sich kaum greifen und Gewinnmitnahmen haben noch niemanden in den Ruin getrieben. Angesichts der erheblichen Ölbestände dürfen aber auch leise Zweifel angebracht sein, ob der Preisanstieg letztlich nicht doch auf wackligen Füßen stehen könnte. Die Ölmühlen sind zudem für das alte Jahr so gut wie gedeckt und mit 15,6 Mio. t Rapssaat in der EU und den Importen sollte trotz der Kapazitätserweiterungen ausreichend Saat für diese Kampagne zur Verfügung stehen.

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