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Dagmar Behme

zur Finanzierung von Investitionen für Biotreibstoff

Blick in die Bücher

Der globale Markt für Biotreibstoffe wächst mit schwindelerregenden Wachstumsraten. Gewaltige Investitionssummen sind im Spiel. Doch der Zuwachs ist endlich. Allerorten gibt es Anzeichen, dass die geplanten Kapazitäten die Nachfrage übersteigen können. Eine Konsolidierung der Branche ist absehbar. Nach einer Bereinigung kann sie aber auch interessanter für externe Kapitalgeber werden, zeigte eine Konferenz von F.O. Licht in dieser Woche in London.

Verwirrend und widersprüchlich erscheint bei einer Betrachtung der globalen Biotreibstoffmärkte zunächst das Nebeneinander von Wachstum und Sättigung. Statistiken zeigen entweder eine schier unstillbare Nachfrage oder aber gewaltige Überschüsse. Aufschlussreicher ist ein Blick in die Bücher der am Markt agierenden Unternehmen. Zunehmend rückt die Erkenntnis in den Mittelpunkt, dass die Erzeugung von Biotreibstoffen keine Goldgrube darstellt. Sie ist vielmehr wie alle Branchen im Agribusiness durch einen hohen Kapitalbedarf bei geringer Wertschöpfungstiefe geprägt. Biosprit verspricht zwar hohe und – für einige Unternehmen – steigende Umsätze, die aber üblicherweise von geringen Margen begleitet sind. Das aktuelle Wirtschaftsjahr verdeutlicht das zusätzliche Risiko, das durch die fehlende Korrelation zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis entsteht. Gestiegene Raps- und Getreidenotierungen lassen sich partout nicht in höheren Biodiesel- oder Bioethanolpreisen weitergeben. Denn die Mineralölmärkte führen ihr Eigenleben unbeeindruckt von Ereignissen in der globalen Agrarwelt. Entsprechend groß ist der Druck auf die Margen, wenn wie in diesem Jahr auf der Rohstoffseite die Preise für Getreide und Ölsaaten steil nach oben schießen, während die Rohölpreise einem Zwischentief entgegensteuern. Schließlich sind Biotreibstoffe noch mit einem ganz eigenen Politikrisiko behaftet. Großzügige Subventionen in diesen Sektor eignen sich zwar vorzüglich als grünes Aushängeschild für Regierungen. Ebenso schnell kann sich der Wind jedoch drehen, wenn Haushaltszwänge oder internationale Handelsverpflichtungen Oberhand gewinnen. Änderungen in den Regulierungen können den Biotreibstoffabsatz von heute auf morgen in Frage stellen, wie beispielhaft der Markt für reinen Biodiesel in Deutschland zeigt.

Diese Kombination von unüberschaubaren Rohstoff-, Absatz- und Politikrisiken schreckt private Investoren eher ab, selbst wenn die Anleger grundsätzlich risikofreudig sind. Doch auch hier kommt es auf den Blick in die Bücher an. Unternehmen mit soliden Bilanzen und ausgereiften Konzepten können durchaus attraktive Anlagemöglichkeiten für privates Kapital eröffnen. Ihre Manager überzeugen mit unternehmerischen Fähigkeiten. Wichtig ist zunächst der Standort mit ausgezeichneten Kundenbeziehungen. Hinzu kommen der technologische Vorsprung, die Risikostreuung und die Wachstumschancen des Unternehmens. Entscheidend ist schließlich die Qualität des Managements. Glaubwürdigkeit wird in diesem global so unübersichtlich erscheinenden Markt immer wichtiger. An diesem Maßstab trennt sich zunehmend die Spreu vom Weizen.
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