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Bernd Springer

zum Landmaschinenmarkt

Ernte

Eine Vielzahl von Faktoren führt zum Erfolg. Was für Landwirte von der Anbauplanung über Saat und Bestandsführung bis zur Ernte gilt, trifft auch auf die Landmaschinenindustrie zu. Voller Hoffnung und Optimismus in das Wirtschaftsjahr 2005/06 gegangen, bestätigen die ersten Abschlussbilanzen, dass die Branche eine gute Ernte einfahren konnte. Die Claas-Gruppe aus Harsewinkel legte in dieser Woche als erster der großen in Deutschland produzierenden Anbieter ihren Jahresabschluss vor. Und der kann sich sehen lassen. Nicht allein, dass der Umsatz um gut 8 Prozent zugelegt hat. Viel wichtiger für die wirtschaftliche Solidität ist, dass der Jahresüberschuss um fast 50 Prozent und das Eigenkapital um knapp 4 Prozent gewachsen sind.

Die Großwetterlage am Markt ist günstig und dies soll nach den Vorhersagen auch so bleiben. Die Knappheit an Getreidevorräten schafft ein positives Umfeld in der Landwirtschaft mit gestiegenem Investitionswillen – dies gilt nahezu weltweit. Das noch junge Pflänzchen Bioenergie wird wachsen und die Aussichten für die Landwirtschaft weiter verbessern. Doch wie auf dem Acker ist günstiges Wetter längst nicht der einzige Garant für eine gute Ernte.

Die Modellpalette ist die Anbauplanung des Landtechnikers. Ein simples Beispiel des abgelaufenen Geschäftsjahres sind die Feldhäcksler. Wohl dem, der diese teuren, in kleinen Stückzahlen gefertigten Giganten im Angebot hat. Der konnte am sprunghaft gewachsenen Markt – vom Boom der Biogasanlagen getrieben – teilhaben. Mehr als 500 selbstfahrende Feldhäcksler wurden in Deutschland verkauft. Das sind so viel, wie in anderen Jahren auf dem gesamten Weltmarkt abgesetzt wurden. Innerhalb der Maschinengruppen ist die Modellpflege und -entwicklung ein wichtiger Marktfaktor. Claas hat seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf bald 100 Mio. € erhöht. Sowohl Detailarbeit als auch „große Würfe“ werden davon finanziert. So soll eine neue Schlepper-Modellreihe, die erstmalig vollständig von Claas entwickelt wurde, den bisher in diesem Segment noch recht zähen Marktfortschritt für die Marke deutlich beschleunigen. Den Axion gibt es zunächst mit Motoren von 180 bis 260 PS, womit die wichtigsten Einsatzbereiche bei professionellen Landwirten abgedeckt werden.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist das Distributoren-Netz. In der Landwirtschaft werden diejenigen Maschinen bevorzugt, die von einer kompetenten Mannschaft gewartet und mit in kürzester Zeit gelieferten Ersatzteilen repariert werden. Schließlich hat die immer leistungsfähigere Mechanisierung der Betriebe dazu geführt, dass die Einzelmaschine viel mehr gefordert wird und keine Zweitmaschine für wichtige Aufgaben vorhanden ist. Auch auf den Auslandsmärkten gilt, dass ein Zuwachs in den Regionen nur mit einer exzellenten Mannschaft vor Ort erreichbar ist.

Schließlich ist Effizienz in Einkauf, Produktion und Vermarktung sowie Finanzierung gefragt. Eine „Ernte“ von 5,6 Prozent Umsatzrendite empfinden die Claas-Manager als „befriedigend, aber noch steigerungsfähig.“

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