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Hermann Steffen

zur Kürzung der Zuckerquoten

“Es eilt!“

Die am Donnerstag von der EU-Kommission beschlossene Kürzung der Zuckerquote kommt für Landwirte und Fabriken noch rechtzeitig vor der Aussaat. Doch die befristete „temporäre Marktrücknahme“ ist nur eine Notbremse. Sie löst die Überschussprobleme des Zuckermarktes nur kurzfristig, werden dadurch doch lediglich 2 Mio. t Quotenzucker weniger produziert. Bei absehbaren Zuckerüberschüssen von 4 Mio. t für 2007/08 steht im Herbst mit ziemlicher Sicherheit die nächste Quotenkürzung in ähnlichem Umfang an. Im zweiten Jahr nach der Reform der Marktordnung ist der EU-Zuckermarkt von einer Konsolidierung weit entfernt.

Mit 2,1 Mio. t in der EU zurückgegebenen Zuckerquoten brachte der freiwillige Restrukturierungsfonds der Zuckerwirtschaft gerade einmal die Hälfte dessen, was erwartet wurde. Das ist bedauerlich und eine Nachbesserung ist dringend erforderlich. Bisher haben sich nur schlechtere Böden aus der Zuckerproduktion verabschiedet. Um die besseren Standorte zur Quotenrückgabe zu bewegen, sind höhere Anreize und ein Umdenken bei der EU-Kommission unvermeidlich. Die Forderung aus der deutschen Zuckerwirtschaft, statt der Senkung der Anpassungshilfen den bisherigen Höchstsatz von 730 auf 1.100 €/t Zucker aufzustocken und den Landwirten mehr zu geben, konterkariert zwar den ursprünglichen Ansatz, ist aber nachvollziehbar. Schließlich stehen dem Fonds EU-weit 8 Mrd. € zur Verfügung, von denen erst weit weniger als ein Fünftel abgerufen sind. Der Topf sollte allemal reichen, um die benötigten Quotenmengen zu mobilisieren. Über allem schwebt die widersinnige Drohung, im Jahr 2010 die ungenutzten Mittel des Zuckerwirtschaftsfonds in den EU-Haushalt einzustellen. Nicht zu übersehen ist die Gefahr eines tiefen und radikalen Einschnitts mit einer Quotenkürzung von 25 Prozent, falls die Restrukturierung nicht greifen sollte. Der Fonds läuft in zwei Jahren aus und Eile ist geboten.

Vor der Zuckermarktreform hätte die jetzige Quotenkürzung von 13,5 Prozent in Deutschland sicherlich ein mittleres Katastrophenszenario ausgelöst. Doch Land- und Zuckerwirtschaft haben Wege zu neuen Märkten beschritten. Mit Ethanol und Industriezucker aus Rüben zeichnen sich begrenzte Alternativen ab und schon in diesem Jahr werden voraussichtlich mehr als 1,2 Mio. t Rüben für diese Zwecke produziert. Im kommenden Jahr könnten es schon rund 3 Mio. t Rüben oder 430.000 t Zucker sein.

Die Rübe hat allerdings nach dem kräftigen Anstieg der Getreidepreise Konkurrenz im Anbau bekommen. Dort, wo früher die Zuckerrübe den Weizen subventioniert hat, ist eine Pattsituation eingetreten. Bei Industrierüben dürfte das Pendel sogar schon zugunsten von Getreide ausgeschlagen sein und selbst Quotenrüben werden sich nach der Preissenkung von fast 40 Prozent im vierten Reformjahr nicht mehr in jedem Fall rechnen. Ein höherer Ausgleich vorausgesetzt, sollte sich mancher deutsche Landwirt fragen, ob er die Gelegenheit zum Ausstieg aus dem Rübenbau nicht beim Schopfe packen sollte. Im Zuge der WTO-Verhandlungen wird sich der Anpassungsdruck auf die europäische Zuckerwirtschaft noch verstärken und die Konzentration des Zuckerrübenanbaus auf die allerbesten Standorte scheint nur noch eine Zeitfrage zu sein.
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