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Axel Mönch

zum EU-Gipfel in Brüssel

Theorie

Die Angst um das Klima macht die Runde. Sie drängt die EU-Mitgliedstaaten zu raschen Entscheidungen. Um sich nicht dem Vorwurf der Untätigkeit auszusetzen, wird auf gründliche Abwägung und Vorbereitung verzichtet. Ziele für den Anteil an klimafreundlichen Energien sind schnell formuliert. Die Ziele in die Praxis umzusetzen ist eine deutlich schwierigere Übung.

Über die 10 Prozent Biokraftstoffe waren sich die EU-Mitgliedstaaten auf dem Gipfel diese Woche in Brüssel schnell einig. Dieses Ziel ist nicht besonders ehrgeizig in Anbetracht bisheriger Vorgaben, sollte man meinen. Zurzeit stehen die Biokraftstoffhersteller vor einem Scherbenhaufen. Deutschland, bisher Vorreiter für Biodiesel, hat die Kraftstoffalternative durch seine Steuerpolitik blockiert. Die Abgaspolitik führt die Erzeuger von Biokraftstoffen in ein ähnliches Durcheinander wie die Steuerpolitik. Zunächst drehte sich alles um den Feinstaub, der über Partikelfilter aufgefangen werden soll. Jetzt passt der Partikelfilter leider nicht mehr zum Biodiesel und es heißt: Feinstaub oder Treibhausgas. Die umweltpolitisch unsinnige Alternative muss von den Fahrzeugherstellern schnellstens aufgelöst werden. Ansätze dazu sind da. Aber solange die Autoindustrie den Biodiesel nur mit äußerst spitzem Finger anfasst, wird sich nicht viel tun. Zwar gehen bis 2020 noch einige Jahre ins Land. Aber für die Entwicklung von Motoren- und Filtertechnik ist das kein langer Zeitraum, zumindest nicht bei Trägheit. Der Hinweis auf die angeblich viel attraktivere 2. Generation von Biokraftstoffen hilft auch nicht viel weiter. Die Verfahren zur Herstellung von BTL sind aufwändig und weit von einer Umsetzung entfernt. Schon kommt der Verdacht auf, dass sich die Autoindustrie hinter der fernen 2. Generation versteckt, um heute weniger gefordert zu sein.

Zugegeben, der Kraftstoffsektor bietet sich zunächst für klimafreundliche Rohstoffalternativen nicht an. Alle sind sich einig, dass Biomasse für kombinierte Kraft-Wärme-Anlagen dem Treibhauseffekt deutlich bessere Heilungschancen bietet als pflanzliche Erzeugnisse, die im Motor das bestens geeignete Mineralöl ersetzen sollen. Die richtige Reihenfolge sollte beachtet werden. Sinnvolle Schwerpunkte müssen für das landwirtschaftliche Potenzial gesetzt werden. Aber langfristig lässt sich der Kohlendioxidausstoß nicht nur dort vermindern, wo es einfach ist. Da die Mobilität weiter hoch im Kurs steht, müssen auch hierfür Lösungen gefunden werden. Das funktioniert nicht, wenn Politiker widersprüchliche Vorgaben machen und die Autoindustrie sich mit Lippenbekenntnissen begnügt.
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