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Christian Posekany

zur Maisintervention

Cool down

EU-Agrarratschef Horst Seehofer hat der hitzigen Debatte unter den Mitgliedstaaten über die Abschaffung der EU-Maisintervention eine Pause verordnet. Das Thema ist kurzerhand von der Agenda der Agrarratssitzung Anfang der kommenden Woche gestrichen. Seehofer hat weise gehandelt. Denn die Zeit wird heute noch drückend erscheinende Probleme von selber lösen.

Jedem europäischen Agrarressort ist klar, dass spätestens mit dem Health Check 2008/09 das Sicherheitsnetz der Intervention ein Stück loser gestrickt werden wird als heute. Diese Einsicht ist auch in Frankreich vorhanden, auch wenn dort die Regierung zum Höhepunkt des Präsidentschaftswahlkampfes für ihr agrarisches Klientel Standhaftigkeit an den Tag legen muss. Hinter vorgehaltener Hand gestehen aber selbst gestandene Anhänger staatlich geregelter Märkte zu, dass die Intervention als Preis- und Absatzsicherung an Bedeutung verliert. Sie liegt angesichts der weltweit wachsenden Konkurrenz um Agrarrohstoffe nicht mehr im Trend der Zeit. Innerhalb der EU könnte in den kommenden Jahren der boomende Bioethanolsektor so viel Mais absaugen, dass sich der Ruf nach einem Schutz durch die Intervention von selbst erübrigt. Das gilt besonders für Ungarn, dessen wachsende Maisberge den Vorschlag der Kommission auslösten, der Maisintervention kurzfristig zum 1. Juli 2007 den Garaus zu machen. Unterdessen bastelt das Land an einem ehrgeizigen Bioethanolprogramm. Mit dem Geld internationaler Investoren sprießen Werke wie Pilze aus dem Boden der Puszta und sollen schon bald 2 Millionen Tonnen Mais absorbieren können.

Wieso also im Angesicht dieses Lichtes am Ende des Tunnels jetzt in Panik geraten und überfallartig die Intervention über Bord kippen? Denn auch die Millionen Tonnen angehäufter Interventionsmaisberge in Ungarn schmelzen im laufenden Wirtschaftsjahr dahin wie der wenige Schnee, den der ausgehende Winter bisher brachte. Auch wenn hier und dort von Mischfutterherstellern Kritik an der Beschaffenheit von ungarischem Interventionsmais lauter wird, gekauft wird er, weil er vergleichsweise billig ist. Insgesamt leidet die EU ja nicht unter einem drückenden strukturellen Maisüberschuss, sondern nur Ungarn – als binneneuropäische Kornkammer. Die Preisunterschiede zum westlichen und südlichen EU-Raum zeigen jedoch deutlich, dass die Nachfrage überwiegt. Das Problem ist damit mehr eines von Verteilung und Logistik als von falschen Produktionsanreizen.
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