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Jan Peters

zur Preisfindung für Getreide

Knallhart

Die Agrarmärkte stehen am Wendepunkt. Es hat ein grundlegender Wandel bei der Preisfindung an den Getreidemärkten stattgefunden. Die Erzeugerpreise folgen zunehmend den Notierungen an den Warenterminbörsen. Bislang war die EU-Kommission bestrebt, die Getreidepreise in der EU niedrig zu halten, um die Futtermittelmärkte nicht zu überstrapazieren. Dazu nutzte die Brüsseler Behörde stets zwei Instrumente: Mit der Freigabe von Interventionsgetreide in einen steigenden Binnenmarkt wurden zaghafte Preisauftriebe regelmäßig gebremst. Das zweite Instrument war bislang die Exportpolitik. Bei steigenden Getreidepreisen hatte die Kommission durch die Reduzierung der Vergabe von Exporterstattungen die Möglichkeit, Einfluss auf die Märkte zu nehmen. Auch dieses Instrument ist jetzt wegen der hohen Weltmarktpreise nicht mehr wirkungsvoll.

Alle Marktteilnehmer blicken jetzt auf die neue Ernte. In früheren Jahren hätten hohe Ernteerwartungen in der EU stets zu niedrigen Preisen geführt. Diese Situation gehört nun aber der Vergangenheit an. In Europa müssen sich die Marktteilnehmer nun an der Matif in Paris orientieren. Die Pariser Börsenkurse sind nicht mehr unabhängig von dem, was in Chicago passiert, wo praktisch der Weltmarkt sein Zuhause hat. Also sind die Begebenheiten in Europa nur ein Teil der Faktoren, die die Börse in Paris bestimmen. Dies führt mit zum Beispiel 138,25 €/t für den Matif Kurs November zu höheren Startpreisen der neuen Ernte 2007 gegenüber dem Vorjahr, obwohl die Erntemenge wahrscheinlich deutlich größer ausfällt.

Und jetzt beginnt das Problem: Nicht nur der Umgang mit Warenterminbörsen wird in Zukunft wichtig sein, sondern auch die grundlegenden Änderungen an den Getreidemärkten müssen stets schnell genug erfasst und in eine Vermarktungsstrategie eingebunden werden. Jetzt wird wohl nur der erfolgreich sein, der über den Tellerrand Inlandsmarkt hinausschauen kann. Dies haben die Bush-Pläne im vergangenen Jahr in den USA gezeigt, die zu grundlegenden Veränderungen in der Maisbilanz an den Weltmärkten und zu einem kräftigen Preisanstieg geführt haben. Auswirkungen dieser Entwicklung reichen bis heute weit in den EU-Markt hinein und haben zu dem hohen Preisniveau für hiesiges Getreide geführt. In dieser Situation muss nun die aufnehmende Hand Ware in der Landwirtschaft kaufen, ohne dass in der Hinterhand die Intervention ungewollte Schwankungen abfedert. Jetzt werden knallharte Termingeschäfte an deren Stelle treten.
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