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Horst Hermannsen

zu Milchsubventionen

Lohnender Einsatz

„Ohne unseren Einsatz gäbe es keine Umsatzsteuerpauschalierung, keine entkoppelte Milchauszahlung, keine Absicherung der Betriebsprämie bis 2013 und keine zusätzlichen 70 Millionen Euro bei der Umsetzung der Ausgleichszulagen und Investitionsförderung.“ Das, so erklärte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner kürzlich in der Presse, seien 5 bis 14 Cent je Kilo Milch. Leicht wird vergessen, dass Bauern dieses Geld zusätzlich zum Molkereiauszahlungspreis von knapp 30 Cent je Liter erhalten.

Eine Leistung, die sich sehen lassen kann, befand Susanne Nüssel, die agile Geschäftsführerin des Verbandes der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft (VBPM), und stimmte den Berechnungen von Sonnleitner öffentlich zu. Schützenhilfe bekam der DBV-Chef zudem von Stephan Götzl, dem Präsidenten des Genossenschaftsverbandes Bayern, der sich diesen Aussagen ebenfalls anschloss. Mit Verwunderung reagiert indes Jürgen Ströbel, als Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes für die Milcherzeuger im Freistaat zuständig. Er wehre sich gegen Aussagen über staatliche Zahlungen. Aber warum richtet Ströbel die Kritik nicht an seinen Verbandschef Sonnleitner, sondern ausgerechnet an die Molkereiwirtschaft, insbesondere an VBPM-Geschäftsführerin Nüssel?

Die Gründe sind offensichtlich: Die Bauernverbände befinden sich in einem Spannungsfeld. Sie werden vom Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) vorgeführt. Mit Forderungen nach einem Auszahlungspreis von mindestens 40 Cent je Kilo und der infantilen Drohung eines Lieferboykotts findet der BDM bei Landwirten Anhänger, die über Jahrzehnte hinweg vor dem Markt geschützt wurden. Abschlachtprämie, Exportsubvention, Quoten, Preiskorridor, Intervention, Abschottung – das waren Parameter, von denen sich auch Ströbel angesprochen fühlt. Subventionen, die unter den Deckmäntelchen verschiedener Programme fließen, möchte er dagegen nicht öffentlich diskutiert wissen. Natürlich lässt sich über eine direkte Zuordnung der verschiedenen Subventionen zum Milchpreis, wie sie Sonnleitner vorgenommen hat, streiten. Tatsache ist aber auch, dass der Molkereiauszahlungspreis eben nur einen Teil der bäuerlichen Erlöse darstellt.

Wie die Schlange vor dem Kaninchen sitzen nun Ströbel & Co vor einem BDM, der als demagogischer Konkurrent in einem Klima von Orientierungslosigkeit, Enttäuschung und Zukunftsängsten gedeiht. Einen wirksamen Lieferboykott kann es nicht geben. Aber, und dafür ist der BDM zu beneiden, die Milchpreise werden – ausgehend vom Weltmarkt – bis zum Herbst weiter steigen. Diese Entwicklung könnte sich der BDM als Erfolg seiner Drohungen ans Revers heften. Jede Wette, das würden ihm sogar viele Bauernverbandsmitglieder glauben.

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