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Steffen Bach

zur Situation am Schweinemarkt

Einspeisevergütung

Für die Schweinehalter in Deutschland wird die Luft dünner. Seit der Ernte 2006 sind die Futterkosten um mehr als 20 Prozent gestiegen. Die Erlöse für Schlachtschweine sind seitdem von gut 1,70 €/kg auf zwischenzeitlich weniger als 1,20 €/kg Schlachtgewicht gefallen. Trotz einer leichten Erholung und der Hoffnung auf positive Effekte durch den Beginn der Grillsaison schreiben nur noch die leistungsstärksten Betriebe schwarze Zahlen. Für die Mehrheit droht die Schweinehaltung zu einem Zuschussgeschäft zu werden. Entspannung ist nicht in Sicht.

Nach der Trockenheit im April werden nun die Ernteerwartungen reduziert. Auch wenn heute noch viel Raum zur Spekulation bleibt, wagt kaum ein Schweinehalter zu hoffen, dass sich die Futterkosten im Herbst wieder nach unten bewegen. Zum Glück für die Betroffenen gibt es den Rheinischen Landwirtschafts-Verband, dessen Präsident die Lösung des Problems gefunden hat. Die Preise für Schweinehälften müssten nur um 30 Cent/kg angehoben werden und schon könnten die gestiegenen Produktionskosten „sehr gut abgefangen werden“. „Der Handel“ möge doch bitte die Erzeugerpreise „endlich anpassen“. Also Aldi, Lidl, Edeka und Metro – setzt euch endlich an einen Tisch und beschließt einen höheren Schweinepreis; so um die 1,65 €/kg Schlachtgewicht bitte! Man möchte drohend hinzufügen: Wenn nicht, brauchen wir staatliche Regelungen, am besten eine Einspeisevergütung für Schnitzel, Bratwurst und Kotelett! Haben die Landwirte solche Fürsprache wirklich nötig?

Bisher waren die Schweinehalter zu Recht stolz darauf, weitgehend ohne staatliche Protektion auszukommen. Marktschwankungen waren nicht immer leicht zu verkraften, haben aber dazu geführt, dass sich in Deutschland eine leistungsstarke Veredelungswirtschaft entwickelt hat. Trotz des viel zitierten Schweinezyklus haben in der Vergangenheit die gut wirtschaftenden Betriebe ordentliche Gewinne eingefahren. Nach Jahren des Wachstums und hoher Notierungen scheint sich der Trend jetzt wieder umzukehren. Entscheidende Faktoren für die Ermittlung des Preises bleiben Angebot und Nachfrage – und solange genügend Schlachtschweine für 1,30 €/kg Schlachtgewicht verkauft werden, werden die Schlachthöfe keine höheren Preise zahlen. Den Schweinehaltern bleibt so nur, auf eine Belebung der Nachfrage zu hoffen oder das Angebot zu drosseln.

Der anhaltende Boom beim Neubau von Stallanlagen lässt für die Zukunft aber eher eine weitere Produktionssteigerung erwarten. Wer schon heute bei der Mast rote Zahlen schreibt, sollte deshalb sein Getreide nach der Ernte besser verkaufen. Ob in Deutschland Spielraum für Preissteigerungen besteht, ist ohnehin immer mehr vom Weltmarkt abhängig. Dort sind die Aussichten angesichts eines rasant wachsenden Verbrauchs an Schweinefleisch nicht schlecht. Überdurchschnittliche Preise in Deutschland würden die Exportchancen für die deutschen Schweinemäster jedoch schmälern und zusätzliche Importe provozieren.

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