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Olaf Schultz

zum Biodieselmarkt in Deutschland

Talfahrt

Auf dem G-8-Gipfel in dieser Woche stand die Thematik Klimaschutz weit oben auf der Agenda der führenden Wirtschaftsnationen. Erneuerbare Energien sind ein wichtiger Bestandteil der ehrgeizigen Ziele. Alternative Treibstoffe müssten sich eigentlich einreihen, doch für die Akteure auf diesem Markt geht die Rechnung im wahrsten Sinne des Wortes nicht auf, zumindest in Deutschland. Nachdem bereits im Jahr 2005 die ersten Hersteller von Biosprit an die Börse gingen, folgte im Herbst 2006 eine regelrechte Welle von Interessierten. Die Bilanz ihrer Aktien ist jedoch ernüchternd. Nicht mal eine Handvoll Unternehmen notiert heute über dem Ausgabekurs. Insbesondere die Papiere der Biodieselhersteller erleben einen Abwärtstrend. Auf eine schnelle Genesung können sie kaum hoffen.

Die Talfahrt der Kurse ist sicherlich zum einen auf den Preisrückgang am Markt für Rohöl in den ersten Monaten 2007 zurückzuführen. Ein viel entscheidenderer Faktor ist jedoch die geänderte Förderpolitik in Deutschland. Seit August 2006 gehört die Steuerfreiheit für reinen Biodiesel der Vergangenheit an. Seither schlägt pro Liter ein Obolus von 9 Cent an der Tankstelle zu Buche. Vorgesehen ist, den Steuersatz im kommenden Jahr sukzessive anzuheben. Die Auswirkungen für den Markt liegen auf Hand: Der Preis für Biodiesel steigt, sein Absatz sinkt. Die Zahlen belegen es. Nach Angaben von Dr. Karin Retzlaff vom Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) konnten 2006 in Deutschland insgesamt etwa 2,9 Mio. t Biodiesel abgesetzt werden. Ob in diesem Jahr überhaupt eine Zwei vor dem Komma steht, sei derzeit völlig unklar, schätzte Retzlaff die aktuelle Situation auf der diesjährigen Agrarfinanztagung kürzlich in Bonn ein. Auch die seit Anfang des Jahres geltende Pflicht, jedem Liter Diesel 5 Prozent Biodiesel beizumischen, entspannt die Situation nur unwesentlich. Zwar können die Biodieselerzeuger auf Grund der gesetzlich verordneten Beimischungsquote nach einer Prognose des VDB in diesem Jahr etwa 1,5 Mio. t Biodiesel (B5) sicher vermarkten. Der Absatz von reinem Biodiesel (B100) ist jedoch völlig zusammengebrochen. Ernüchterung macht sich breit, werden die bundesweiten Erzeugungskapazitäten gegenübergestellt: Sie dürften laut Retzlaff in diesem Jahr auf etwa 4,4 bis 5,0 Mio. t anwachsen.

Damit zeichnen sich am Markt für Biodiesel in Deutschland Überkapazitäten ab, die zu einem erheblichen Teil „hausgemacht“ sind. In der Boomphase des Biosprits haben die Hersteller bestehende Anlagen aufgestockt und das Land mit neuen Projekten überzogen. Jeder wollte von dem scheinbar maßlosen Subventionskuchen zum Bau von Anlagen ein möglichst großes Stück abhaben. Eine Branche wurde nach oben katapultiert und dann mit einem Federstrich der Politik wieder ausgebremst. Dass die Rechnung für die Biodieselhersteller künftig aus eigener Kraft aufgeht, ist angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen wenig wahrscheinlich. Nachhaltig belebende Impulse könnte der Markt allenfalls vom Gesetzgeber erhalten, wenn beispielsweise die Quoten zur Beimischung spürbar heraufgesetzt werden. Eine Besteuerung von Biodiesel, an der die Bundesregierung festhält, ist jedenfalls nicht Klimaschutz-freundlich.
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