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Dietrich Holler

zum Biodieselmarkt

Großes ABC

Erstaunt blicken Beobachter derzeit auf den Rapsmarkt: Die Notierungen sind stramm. Für die erste Jahreshälfte 2008 werden Preise um die 290 €/t aufgerufen. Gleichzeitig beklagen Biodieselhersteller, dass sie erhebliche Produktionskapazitäten aufgebaut haben, aber auf Grund der Besteuerung nicht mehr genügend Treibstoff absetzen.

Die Situation ist für die Landwirtschaft neu: Die Erzeuger bekommen einen ordentlichen Preis für ihre Rohstoffe, obwohl sich das daraus hergestellte Produkt am Markt schwer tut. Die Rohware ist in der Europäischen Union nun mal knapper, als manche wahrhaben wollen: Bereits bei einem Biodieselverbrauch von derzeit 6,5 Mio. t hat die EU-27 eine negative Handelsbilanz für Pflanzenöle.

Sollten in der gesamten Europäischen Union dem Diesel künftig 5 Prozent Biotreibstoff beigemischt werden, würde der Verbrauch auf 13 Mio. t Biodiesel steigen. Dann lohnt es sich noch mehr, bei den Rohstoffen preiswerte Alternativen zu nutzen. In der Vergangenheit waren das bis zum technischen Limit Palm- und Sojaöl.

µNachdem diese Öle im Preis erheblich angezogen sind, machen sie den Biodieselherstellern nicht mehr viel Freude. Die Beimischung in der EU will aber erfüllt sein. Genau diese Situation kommt dem großen ABC ganz Recht: ADM, Bunge und Cargill beherrschen den europäischen Markt für Ölsaaten und Pflanzenöle. Steuerbegünstigter US-Biodiesel (B 99) erhöht die Marge. Der Finanzausschuss des US-Senates will den Export des Steuervorteils verhindern, aber bis es so weit ist, vergehen noch einige Monate.

Die heimischen Produzenten von Biodiesel protestieren zwar gegen B 99. Doch sie werden nicht zu laut, denn soweit sie börsennotiert sind, könnte der Protest als verdeckte Gewinnwarnung gelten. Einige Produzenten sind mittlerweile ohnehin zum Händler mutiert: Sie fahren ihre Anlagen für Biodiesel weit unter Volllast und handeln mit der Importware. Das bringt nur vorübergehend ein wenig Luft, denn die Produktionsanlagen sind vielfach über Darlehen finanziert. Je nach Schätzung sind 30 bis 60 Prozent der Biodieselhersteller in einer erheblichen wirtschaftlichen Schieflage. Die Banken kennen aber kein Pardon, wenn ein Kredit nicht bedient wird.

Allerdings sollten die Finanzhäuser nicht nur bei ihren Kunden aus der Biodieselbranche nachhaken, sondern auch mit ihren eigenen Kreditexperten ernste Gespräche führen: Irgendjemand muss ja das Geld locker gemacht haben, damit deutsche Produktionskapazitäten für Biodiesel errichtet werden konnten, die das Absatzvolumen um rund das Dreifache übersteigen.
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