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Olaf Schultz

zur Strategie der VzF GmbH

Marktgespür

Die Konzentration der Schlachtbranche hat hierzulande aus Sicht der Tierhalter ein bedenkliches Ausmaß angenommen. Vor allem auf dem Schlachtschweinemarkt versuchen die Branchenriesen die Situation auszunutzen und der Produzentenseite die Preise zu diktieren. Kooperationen auf Erzeugerseite sind das Gebot der Stunde, um mit ihnen das Angebot zu bündeln. Leider bleibt die konkrete Umsetzung dieser scheinbaren „Binsenweisheit“ noch allzu oft auf der Strecke. Der Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschaft (VzF), Uelzen, verfolgt seit einigen Jahren dieses Ansinnen erfolgreich. Die jüngste Kooperation mit der sachsen-anhaltischen Erzeugergemeinschaft für Schweine (MEG) in Pretzsch ist ein weiterer Schachzug in der strategischen Ausrichtung des VzF. Er ist damit nun auch auf dem ostdeutschen Markt vor Ort mit seinen wettbewerbsfähigen Betriebsstrukturen präsent.

Der VzF-Verbund kann bereits auf mehr als vier Jahrzehnte Markterfahrung zurückblicken. Gegründet wurde er seinerzeit mit dem Ziel, das Schlachtschweineangebot der Mitglieder zu bündeln und so die Position der Landwirte gegenüber der Schlachtindustrie zu stärken. Seither bemühen sich die Verantwortlichen permanent, Flexibilität und Marktgespür unter Beweis zu stellen. So hat sich der Verbund zu Jahresbeginn nach zwei Jahren intensiver interner Arbeit völlig neu positioniert. Die Geschäftsfelder Zucht, Ferkel, Mast und Beratung wurden unter dem Dach der jetzigen GmbH zusammengefasst. In ihr werden sämtliche Dienstleistungen und Geschäfte abgewickelt, die bisher von den einzelnen Verbundpartnern getätigt wurden. Erhebliche finanzielle Einsparungen bringen laut eigenem Bekunden zudem gestraffte Kommunikationswege und abgekürzte Entscheidungsprozesse.

Mit der zentralen GmbH haben die Verantwortlichen nicht zuletzt auf die Wachstumsschritte der Gesellschaften in der Vergangenheit reagiert. Immerhin hat sich deren jährliches Vermarktungsvolumen mit insgesamt etwa 3,2 Millionen Tieren in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Die ostdeutsche MEG steuert nunmehr in den neuen Bundesländern weitere 120±000 Ferkel und Schlachtschweine bei. Die großen Angebotsmengen werden von den Abnehmern mittlerweile mit garantierten Abnahmemengen zu vereinbarten Konditionen honoriert, heißt es in Uelzen.

Zusammex nschlüsse werden auf Erzeugerebene im Sektor der tierischen Veredelung zu oft noch mit Skepsis betrachtet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum Teil herrscht starkes regionales Denken. Häufig lähmen nach Einschätzung von Branchenkennern auch egoistische Motive konkretes Handeln. Zahlreiche Organisationen werden aus dem Ehrenamt heraus geführt. Bei Kooperationen wird es dann in der Regel nicht verschlankt, sondern verdoppelt; Management, Verwaltung und Fuhrparks bleiben unberührt. Erwartete Synergien sind Fehlanzeige. Sichtbare Erfolge für die Mitglieder bleiben aus. Das Ende der Marktmacht auf der grünen Seite ist vorprogrammiert. Die Bündelung auf der Angebotsseite und das geschlossene Auftreten sind jedoch gerade für die Tierhalter künftig das A und O, um auf Augenhöhe die Interessen der Produzenten gegenüber dem Schlachtsektor formulieren zu können. Daher sollten sich individuelle Strategien in erster Linie mit einem pragmatischen „Wie“ beschäftigen und weniger mit einem zögerlichen „Ob“.

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