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Hermann Steffen

zum Markt für Biogas

Zukunftsfrage

Was wird aus dem Markt für Biogas? Die Frage konnte die Euroforum-Konferenz in Düsseldorf zwar nicht beantworten, doch zumindest die Richtung wurde angedeutet. Schon das Teilnehmerverzeichnis machte deutlich, dass Biogas längst aus der Landwirtschaft herausgewachsen ist. Die Vertreter diverser Energieversorgungsunternehmen bestimmten das Forum, die beiden Referenten aus der Landwirtschaft wirkten in der geballten Ansammlung der Strom-, Gas- und Wasserversorger schon beinahe wie Exoten. Die Zeit, in der sich die Biogasanlagen als hofeigene Gelddruckmaschinen installieren ließen und ausschließlich der Landwirtschaft Wertschöpfung brachten, dürfte zu Ende gehen. Der Einstieg in die Bioenergie hat sicherlich zu der für die Landwirtschaft erfreulichen Steigerung der Agrarpreise erheblich beigetragen, doch nun scheint gerade die rasante Entwicklung an den Agrarmärkten den Boom bei Biogas abzubremsen. Bei den kräftig gestiegenen Preisen für Getreide und Maissubstrat wird heute kaum noch ein vernünftig kalkulierender Landwirt eine Biogasanlage mit vergleichsweise niedriger Energieausbeute ausschließlich für die Stromeinspeisung bauen, ohne ein halbwegs schlüssiges Wärmekonzept im Blick zu haben. Doch die Wärmevermarktung ist ausgesprochen schwierig, nicht nur aus den landwirtschaftlichen Anlagen. Inzwischen sind viele Insider davon überzeugt, dass es in einem Jahr einen großen Teil der Anlagen nicht mehr geben wird. Schon heute lassen sich allenfalls 30 Prozent der Biogasanlagen mit Gewinn betreiben – ein gleicher prozentualer Anteil steckt in tiefroten Zahlen. In Kreisen der Banken war sogar die Rede davon, dass 80 Prozent der Biogasbetreiber Beratungsbedarf hätten. Spätestens wenn die Einspeisevergütungen mit der Novellierung des EEG gekürzt werden sollten, könnten sie Recht behalten. Doch glaubt man den Experten, ist das Potenzial für Biogas gewaltig: Speziell mit der Einspeisung ins Erdgasnetz lassen sich vermutlich viele ehrgeizige Energie- und Klimaziele effektiv erreichen, auch wenn die Einspeisung kompliziert ist und erheblicher Regelungsbedarf besteht. Für landwirtschaftliche Anlagen kommt sie kaum in Betracht, denn erst ab 2 MW elektrischer Leistung aufwärts lässt sich eine rentable Aufbereitung des Biomethans erwarten – Großprojekte also, die weitgehend der Energiewirtschaft, Versorgungs- oder Gemeinschaftsunternehmen vorbehalten sind. Von der neuen Wertschöpfung wird die Landwirtschaft allenfalls über Beteiligungen profitieren können. Doch als Produzent von Substrat kommt ihr eine Schlüsselrolle zu, denn ohne NaWaRo wird das Potenzial von Biogas nicht auszuschöpfen sein, selbst wenn Importe von Biomasse prognostiziert werden. Bei den kräftig gestiegenen Getreidepreisen wird die Entlohnung für das Substrat dabei zur Gretchenfrage. Die Forderung der Landwirtschaft, den Substratpreis mit entsprechenden Anpassungsklauseln an den Weizenpreis zu koppeln, klingt plausibel. Vergessen sollte sie dabei allerdings nicht, dass auch Gaspreise keine starre Größe sind und die Betreiber auf langfristige Lieferverträge bei der Anlagenfinanzierung angewiesen sind. Bei dem enormen züchterischen Fortschritt, der sich bei Energiepflanzen erwarten lässt, wird die Bereitstellung von Substrat künftig eine ernsthafte Alternative zur Getreideproduktion sein, die es unbedingt zu pflegen gilt.
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