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Dagmar Hofnagel

zum Milchmarkt

Abenteuer

Wird die Milch zukünftig in China oder Europa produziert? Wo entstehen weitere Standorte einer effektiven Milchproduktion? Bleibt der derzeit von allen unerwartete hohe Weltmilchpreis? Wird er weiter steigen? Wie hoch und lang werden die Schwankungen sein? Mehr Fragen als Antworten beschäftigen die Branche. Wie in fast allen anderen landwirtschaftlichen Märkten stehen auch die Teilnehmer des Milchmarktes vor völlig neuen Problemen: „Milchsee“ und „Butterberg“ sind schon lange keine Vokabeln in diesem Zusammenhang mehr. Rohstoffsicherung zählt zum neuen Wortschatz auch in der Milchbranche. Die Milchanlieferung ist noch kein akutes Problem. Aber verstärkt wird darüber nachgedacht, wie und wo sich das Angebot in den kommenden Jahren, vor allem nach dem Wegfall der Quote, verändern könnte.

Wenn Europa weltweit auch der größte Milchproduzent ist, gefolgt von Indien und Pakistan, so hat die Quotenregelung ihre Spuren hinterlassen. Innerhalb der EU war in den vergangenen 20 Jahren auf Grund der Reglementierung eine Standortverlagerung zu besseren Gebieten kaum möglich. Andere, liberaler geführte Länder oder Regionen ohne diese Marktregulierung sind da besser dran: In der chinesischen Provinz Innere Mongolei beispielsweise betrug das jährliche Wachstum an produzierter Milch nach Angaben des IFCN (Intenational Farm Comparison Network) in den Jahren 2000 bis 2005 57 Prozent pro Jahr – ausgehend von einer relativ niedrigen Ausgangssituation. Der ständig wachsende Bedarf in Teilen Chinas konnte damit zu großen Teilen aus der heimischen Produktion gedeckt werden. Ohne Zweifel spielen die Kosten eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung, die Produktion auszuweiten oder einzuschränken. Experten erwarten, dass Standorte und Betriebstypen mit geringen Kosten Marktanteile gewinnen werden. Dazu gehören Teile Südamerikas und Asiens sowie Osteuropa und Afrika. In Europa erwarten Fachleute nach dem Quotenausstieg auf Grund der Kostenstruktur eine Abwanderung der Produktion in den Westen und ebenfalls in den Osten. Klassische Milchstandorte sind eindeutig die Gewinner.

Hochrechnungen und Vermutungen prägen noch das Bild der zukünftigen Milcherzeugung in der Welt. Es fehlt die Erfahrung mit den neuen Verhältnissen. Das zeigt sich auch in dem Verhalten mancher Erzeuger, die sich aus bestehenden Vermarktungsformen herauskaufen, um kurzfristig höhere Preise zu realisieren. Dies bedeutet eine weitere Herausforderung für die Molkereiunternehmen. Das Marktabenteuer hat begonnen.
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