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Bernd Springer

zur Milchquotenbörse

Gemäßigt

Niedrige Preise und ein Angebotsüberhang prägten den 23. Übertragungstermin für Milchquoten am Freitag. Das Bewusstsein, dass die Quoten 2015 wertlos werden, wird zur Beruhigung des Marktes beigetragen haben. Die Preishausse bei Milchprodukten hat sich dagegen noch nicht in dem Maße auf die Milchauszahlungspreise ausgewirkt, dass dies am Quotenmarkt nachfragestimulierend spürbar wurde. So bezahlten investitionswillige Milcherzeuger im gewichteten Mittel 35 Cent/kg Lieferrecht, was 4 Cent weniger als beim vorherigen Termin waren und der niedrigste Preis seit Bestehen der Quotenbörse.

Längst nicht allen Anbietern gelang es, sich von der Quote zu trennen, was besonders im Übertragungsgebiet West zu spüren war. Dort stand einem Angebot von 164 Mio. kg durch gut 4.000 Anbieter eine Nachfrage von 136 Mio. kg von 5.700 Interessenten gegenüber, was zu einer Quotenübertragung von 112 Mio. kg zum Durchschnittspreis von 37 Cent/kg führte. Innerhalb des Übertragungsgebietes West ist eine deutliche Wanderung der Lieferrechte nach Bayern zu registrieren. Vielleicht führt dort doch die Aufwärtsbewegung beim Milchgeld zu neuem Mut, den Strukturwandel aktiv anzugehen. Im Übertragungsgebiet Ost übertraf die Nachfrage mit 27 Mio. kg das niedrige Angebot von 24 Mio. kg. Knapp 20 Mio. kg wurden zu einem Preis von 0,25 Cent/kg gehandelt. 86 Anbieter trafen auf 118 Nachfrager. Diese Situation führte zu einem Anstieg des Quotenpreises um 2 Cent gegenüber dem vorigen Übertragungstermin im Juli auf 25 Cent. Damit liegt er aber immer noch niedriger als an den meisten bisherigen Börsenrunden.

Der Deutsche Bauernverband sieht diesen Übertragungstermin im Zeichen des Milchquotenendes zum 31. März 2015. Der deutliche Angebotsüberhang und die gesunkenen Quotenpreise seien klare Anzeichen dafür, dass sich die Milcherzeuger auf ein Ende der Milchquotenregelung einstellen, schreibt der Verband in seiner Handelsanalyse. Nicht außer Acht zu lassen ist aber auch die Wirkung der zusammengelegten Übertragungsgebiete. Die Frage drängt sich mit aneinander rückenden Preisen auf, ob die Trennung zwischen Ost und West nicht auch im Milchquotenhandel endlich überholt ist und Quoten für die kommenden Börsentermine deutschlandweit handelbar gemacht werden sollten. Der mit diesem gemäßigten Börsenverlauf begonnene Gleitflug in die Zeit nach der Quote würde hierdurch unterstützt. Die Preisdisziplin, die jetzt zu erkennen ist, dürfte verhindern, dass eine extreme Wanderung der Quoten in die Gunststandorte stattfindet. Ohnehin ist die regionale Handelsrestriktion ein Steuerungsargument, das 2015 obsolet wird und daher schon heute kein großes Gewicht hat.

Aus dem Börsenverlauf ist abzuleiten, dass sich die Milchviehhalter auf einen möglichst schmerzfreien Übergang in die Zeit nach der Quote vorbereiten. Für unterstützende Rahmenbedingungen durch die Politik bleibt aber noch Raum und Notwendigkeit.
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