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Profitabel

Von Dagmar Behme, Frankfurt am Main

Daß der Verbrauch von Roter Beete zur Beizsaison signifikant steigen soll, dürfte hoffentlich dem Reich der Legenden zuzuordnen sein. Daß die Verteilung der rot eingefärbten Beizmittel auf dem Saatgut viel zu oft zu wünschen übrig läßt, ist Realität. Eine altbekannte zumal, die nach der Hektik der Aussaat Jahr für Jahr zu neuen Auseinandersetzungen in der deutschen Saatgutwirtschaft führt. Für einseitige Schuldzuweisungen ist das Thema jedoch nicht geeignet. Denn alle Beteiligten tragen Verantwortung für den Mißstand. Wenn dies offen eingestanden werden könnte, wäre die Ausgangsposition für gemeinsame Lösungen geschaffen. Eine bessere Beizqualität ist an der Zeit.

Auf den ersten Blick sind die Saatgutverbraucher das Opfer mangelnder Beizqualität, denn sie erhalten nicht, was auf der Packung steht. Doch Verbraucher haben Macht, wie alle Beispiele rund um die Landwirtschaft zeigen. Daß Landwirte ihre Macht bisher nicht genutzt haben, läßt vermuten, daß sie auch Vorteile aus ihrer vermeintlichen Ohnmacht gezogen haben. Wenn Landwirte 100 Prozent Beizgrad wünschen, aber nur bereit sind, 50 Prozent zu bezahlen, fällt dem Gefeilsche leicht die optimale Aufwandmenge des Beizmittels zum Opfer. Zu leicht lassen sich die etwa 2 000 Beizstationen in Deutschland gegeneinander ausspielen.

Die Beizstationen wiederum arbeiten überwiegend mit längst abgeschriebenen Geräten. Sie sehen angesichts der geringen Spannen wenig Luft für Investionenen in innovative Technik, mit denen sich der Beizgrad verbessern ließe. Einen obligatorischen TÜV für ihre "bewährten Geräte" lehnen viele Beizstationen ab und begründen dies mit der bereits vorhandenen Überregulierung der Wirtschaft. Die Hersteller von Beizmitteln schließlich sehen im Wettbewerb wenig Möglichkeiten, bei den Beizstationen einen Stand der Technik einzufordern, der ihre Mittel optimal an das Saatgut bringen würde. Sie wissen selbst, daß in diesem Saisongeschäft alle Beteiligten Fehler machen können. So mag niemand dem jeweiligen Partner im Markt einen Vorwurf machen und die Problematik so recht beim Namen nennen.

Um gegenseitige Schuldzuschreibungen geht es aber gar nicht. Es leidet vielmehr die landwirtschaftliche Professionalität, wenn bei der intelligentesten Pflanzenschutzmaßnahme im Ackerbau noch so wenig Qualitätssicherung betrieben wird. Beizen ist wirtschaftlich. Die Wirtschaftlichkeit des Pflanzenbaus wächst mit der Sicherung des Beizgrades. Die Bedeutung der Beizung wird angesichts engerer Fruchtfolgen in der Zukunft noch steigen. Künftig dürfte sich kaum ein Landwirt mit der schlichten Aussage zufrieden geben, das Saatgut sei gebeizt. Vielmehr wird er sehr genau nachfragen, mit welchem Mittel, in welcher Aufwandmenge und gegen welche Krankheiten oder Schädlinge das Saatgut geschützt ist. Bis heute geht in der Diskussion über den Preis von Saatgut zu oft unter, daß Saatgut nicht nur Züchtungsfortschritt bietet, sondern auch einen profitablen Schutz vor Krankheitsbefall - vorausgesetzt, es ist richtig gebeizt. Ein gleichmäßig rot eingefärbtes Saatgut genügt nicht als Qualitätsstandard.


 
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