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Unsinnig

Von Hermann Steffen, Bonn

Über die geplante Einführung eines deutschen Rapsfutures an der Warenterminbörse (WTB) in Hannover gehen die Meinungen auseinander. Nachvollziehbar ist, daß eine Einführung für Rapsöl und Rapsschrot beim Future sinnvoll sein könnte, da es hierfür keinen Kontrakt in Europa gibt. Doch bei der Einführung des Rapsfutures überwiegt eindeutig die Skepsis. Die Kommentare des Handels lauten hierzu von: "einem größeren Unsinn hat es noch nie gegeben" über "Schwachsinn hoch acht" bis "dies würde die Lachnummer des Jahrhunderts" werden.

Selbst Mitglieder des Börsenrates bei der WTB räumen hinter vorgehaltener Hand ein, daß sie für einen deutschen Rapsfuture keine Zukunft sehen. Sie dürfen ihre Meinung gegenüber den Vorständen in den Hauptgenossenschaften oder in den Verbänden aber kaum bekunden. Ölmühlen und Handel lehnen einen weiteren europäischen Future eindeutig ab. Letztendlich bleibt die Frage, ob in Europa mehrere Warenterminbörsen nötig sind. Im Prinzip würde für Agrarprodukte eine einzige Terminbörse ausreichen. In den USA bestimmt Chicago den Markt, trotz verschiedener unbedeutender Regionalbörsen. Erfahrungen in Amsterdam, das bei Petroleum einen eigengen Kontrakt einführen wollte, obwohl es diesen bereits in London gegeben hat, belegen, daß sich zwei Kontrakte nebeneinander auf engem Raum kaum aufrecht erhalten lassen. Sollte die WTB wirklich einen Rapsfuture einführen und etwas Resonanz käme auf, würde der Matif in Paris die langaufgebaute Liquidität entzogen werden.

Den Warenterminmarkt in Europa für Rapssaat zweizuteilen, wäre in der Tat unsinnig. Die Matif funktioniert. Das Engagement setzt sich nach wie vor weitestgehend aus dem Handel und den Ölmühlen an der Matif zusammen. Von der Landwirtschaft ist die Bereitschaft, sich in Paris zu engagieren, weiterhin minimal. Das Argument, daß sich die deutsche Landwirtschaft bei der Einführung eines deutschen Rapsfutures mehr am Termingeschäft betätigen würde, ist leicht von der Hand zu weisen. Die jährlichen Erntemengen liegen in der Landwirtschaft, zum Beispiel im Nordwesten, in der Regel im Schnitt nur bei 50 t Raps pro Betrieb. Hinzu kommt, daß die deutschen Landwirte in erster Linie in physischer Ware denken und noch nicht ausreichend mit den Risiken des Warentermingeschäftes vertraut sind. Folglich läßt sich ein neuer Rapsfuture durch die Hoffnung auf Beteiligung der deutschen Landwirtschaft nicht hoch halten.

Damit könnte der Rapsfuture in Hannover, falls er denn eingeführt werden sollte, zu einer niedersächsischen und Warberger Veranstaltung werden. Daß hier einiges links läuft, wo es rechts oder geradeaus weitergehen sollte, läßt sich nicht übersehen. Geplante Verträge mit dem Handel über die Einstellung von bestimmten Mengen an Kontrakten dürften illusorisch sein, wie der Weizenfuture an der Matif bewiesen hat. Dort wurden die vorgegebenen Mengen bei Kontrakteinstellungen nicht erfüllt. Dies sei jedoch eine Voraussetzung für den Rapsfuture, wird von Börsenseite kommentiert. Der Handel und die Ölmühlen pfeifen allerdings darauf. Ein Rapsfuture an der WTB ist mehr als überflüssig. Es bleibt die Frage, ob hier nicht Profilierungssucht im Spiel ist und Gelder verschwendet werden. Sicherlich hat eine deutsche Warenterminbörse in bestimmten Bereichen ihre Bedeutung, doch vom Rapsfuture sollte sie ihre Finger lassen.
 
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