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Abenteuer

Von Dr. Angela Werner, Frankfurt a.M.

Ein neuer Stern mit Namen Aventis geht am Himmel der Life-Science-Unternehmen auf. Der neue Konzern, ein Zusammenschluß der Unternehmen Hoechst und Rhone-Poulenc, wird in eine Zeit hineingeboren, in der gerade das Life-Science-Konzept mit vielen Fragezeichen gesehen wird. Zweistelligen Zuwachsraten in der Pharmasparte steht die äußerst schwache Entwicklung im Agrargeschäft gegenüber. Eine Trendwende in der Agrarsparte ist angesichts der rückläufigen Quartalszahlen nicht abzusehen. Die vielgepriesenen Synergieeffekte zwischen Pharma und Agrar lassen sich daran schwerlich ablesen. Vielmehr erweist sich das Standbein Agrar als zu kurz.

Verschiebungen innerhalb des Agribusiness-Segmentes, das vom klassischen Pflanzenschutz über die Saatgutproduktion bis hin zur Tiergesundheit reichen kann, sind zu beobachten. Die Grenzen zwischen den einzelnen Märkten werden - und das nicht nur bezüglich der Forschung - immer fließender. Die Märkte rücken enger zusammen und beeinflussen sich wechselseitig. So hat beispielsweise das klassische Pflanzenschutzgeschäft im vergangenen Jahr vor allem in Nordamerika aufgrund der guten Akzeptanz gentechnisch veränderter Sorten in dieser Region empfindliche Einbußen verzeichnet. Zweistellige Zuwachsraten hingegen konnten bei Saatgut - dort insbesondere mit GV-Sorten - erzielt werden. In Europa ist es aufgrund der wachsenden Verbraucherskepsis gegenüber der Gentechnik genau umgekehrt. Darüber hinaus rückt der Verbraucher zunehmend ins Blickfeld der Unternehmen. Viele Konzerne denken inzwischen bis ans Ende der Nahrungsmittelkette und erkennen den Verbraucher als ihren Kunden und Abnehmer landwirtschaftlicher Produkte. So geht es beispielsweise nicht mehr nur um die Produktion von züchterisch fortschrittlichem Saatgut zum Nutzen der Landwirte. Vielmehr geht es darum, vom Nutzen über die gesamte Wertschöpfungskette bis hin zum Endverbraucher zu profitieren. Gesundheitsfördernde Nahrungsmittel, sogenannte "functional food" oder auch "nutraceuticals", rücken immer mehr in das Bewußtsein der Unternehmensführungen. Nach Meinung von Marktexperten wird das Geschäft mit funktionalen Lebensmitteln auf längere Frist sehr lukrativ sein. Die Wertschöpfung soll sogar noch die der verwöhnten Pharmabranche übersteigen. Life-Science-Unternehmen wie Novartis und DuPont haben angesichts dieser Entwicklungen bereits ihre Konsequenzen gezogen und begonnen, das Agrargeschäft zu straffen. Nicht zuletzt wollen sie mit diesen Maßnahmen Geld freizusetzen, das in der biotechnologischen Forschung zur Erschließung des neuen Marktsegmentes der gesundheitsfördernden Nahrungsmittel benötigt wird.

Diese Entwicklungen stellen auch den neuen Aventis-Konzern schon zu Beginn seines Life-Science-Daseins vor große Herausforderungen. Da geht es nicht nur um geschickte Verkaufsabwicklungen oder eine kluge Integration unterschiedlicher Unternehmenskulturen. Der nach Umsätzen derzeitige globale Marktführer in Life-Science wird beweisen müssen, daß er sich schnell und weitsichtig an die Markterfordernisse und den Wandel anpassen kann, um auch künftig seinen Platz am Life-Science-Firmament zu behaupten.
 
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