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Umdenken

Von Simone v. Heimburg, Frankfurt a.M.

Die Landwirtschaft leidet unter den Unsicherheiten liberalisierter Märkte. Weltweites Überangebot dämpft die mittelfristigen Preisprognosen, auch wenn Dürre im Nordosten Amerikas momentan zu heftiger Bewegung an den Terminbörsen führt. Mit Skepsis wird deshalb der vorgesehene weitere Abbau von Agrarsubventionen im Rahmen der kommenden WTO-Verhandlungen gesehen. Für die Befürworter offener Märkte kommt der Abschwung auf den Agrarmärkten zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Es wird ihnen nicht leicht fallen, die Vorteile der Liberalisierung für die globale Wohlstandsentwicklung zu verteidigen. Der Lobby der interventionsverwöhnten Landwirte dagegen helfen die wirtschaftlich schlechten Aussichten, um altgewohnten Schutz vor den Unbillen des Wetters und des Weltmarkts einzufordern. Dabei wäre es an der Zeit, dass sich die Bauern auf neue Gegebenheiten einstellen.

Es ist kaum vorstellbar, daß sich die Landwirtschaft der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung mit ihren globalisierten Warenströmen und dem sekundenschnellen Informationsaustausch entziehen kann. Die übrige Wirtschaft passt sich den Folgen liberalisierter Märkte fortlaufend an. Für die Landwirtschaft bedeutet dies internationalen Wettbewerb, der die kostengünstigste Produktion fördert. Diesem Wettbewerb stehen Absicherungen des landwirtschaftlichen Einkommens gegen die unbestrittenen Fährnisse der Agrarproduktion keineswegs entgegen. Solange sie den globalen Handel nicht beeinträchtigen, sind sie im Rahmen bestehender WTO-Absprachen schon heute von jeder Anfechtung frei. Neue Wege der Einkommenssicherung für die Landwirte sind daher schon länger gesucht. Als handelsneutrales Instrument rücken deshalb Ernte- und Ertragsversicherungen zusehends in den Blickpunkt. Sie verlangen allerdings ein Umdenken, weg von den pauschalen Flächenbeihilfen, die bei der nächsten WTO-Runde ohnehin erneut zur Debatte stehen. Statt dessen gewinnt mit individuellen Versicherungen der Ernte unternehmerische Verantwortung und Eigeninitiative an Bedeutung. Denn hierbei sichert der einzelne Landwirt sein wirtschaftliches Risiko nach eigener Einschätzung ab. Der Staat kann die als notwendig anerkannte Absicherung unterstützen, in dem er einen Teil der Versicherungsprämie subventioniert. Diese nach WTO erlaubte Form der Einkommensstützung wird in den USA bereits praktiziert und soll dort ausgebaut werden. Erfahrungen mit solchen Versicherungen stehen in Deutschland noch aus. Aber in Großbritannien werden bereits erste Policen für die Ernte 2000 angeboten. Auch die hiesige Versicherungswirtschaft dürfte um kreative Vorschläge nicht verlegen sein. Ertrags- oder Preiseinbrüche verlören so an Schrecken.

Eine wettbewerbsfähige, kostenoptimierte Produktion von preisgünstiger Qualität und Menge wird für die wachsende Weltbevölkerung zweifelsfrei unverzichtbar. Darauf wird sich die Landwirtschaft einstellen müssen.
 
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