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Recycling
Von Ulrike Buchmann, Frankfurt am Main

Von Klärschlamm in Tiermehl ist allenthalben zu lesen. Oft genug sind in diesem Zusammenhang allerdings nicht Klärschlämme im allgemein gebräuchlichen Sinn, also von häuslichen oder industriellen Abwässern gemeint. Vielmehr handelt es sich hauptsächlich um Biomasse aus den betriebseigenen Kläranlagen der Tierkörperbeseitungsanstalten. Enthält diese Biomasse keine Zusätze und ist nicht anderweitig verunreinigt worden, dann darf und soll sie in den Verarbeitungsprozess zurückgeführt werden. Zu beurteilen, ob die dazu eingesetzten Verfahren den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, fällt nicht leicht. Das hat sich nicht nur bei der Bewertung der Vorgehensweise in der Tierkörperbeseitungsanlage in Plattling gezeigt. Die EU-Kommission will dem jetzt Rechnung tragen und zunächst die Abgrenzung der Begriffe verbessern, die sich auf im Futter verbotenen Klärschlamm und die erlaubte Rückführung von Biomasse beziehen.

Sicher spielt der Ekel-Aspekt bei der Bewertung des Futtermittels Tiermehl eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Im Zuge der BSE-Krise haben mehr und mehr Futterhersteller insbesondere für Markenfleischprogramme diesen Rohstoff aus den Rezepturen genommen. Deshalb wird Tiermehl mittlerweile in großem Umfang nach Osteuropa verkauft. Jetzt könnte das "Skandälchen" um Klärschlamm im Tiermehl einen weiteren Schritt hin zum Ausstieg aus diesem Rohstoff mit sich bringen. Emotionslos betrachtet ist es wahrscheinlich zu keinerlei Verunreinigungen gekommen, die aus hygienischer oder ernährungsphysiologischer Sicht kritisch zu sehen wären. Doch gibt es bereits französische Bestrebungen, Tiermehl ganz als Futtermittelrohstoff zu verbannen.

Jedenfalls ist die Tiermehlherstellung zumindest in Deutschland auf hohem technologischen Niveau. Sicherheit steht zu oberst in der Prioritäten-Skala. Das Drucksterilisationsverfahren mit der Erhitzung der Rohstoffe Tierkadaver und Schlachtabfälle auf 130 Grad Celsius über 20 Minuten unter 3 bar Druck gilt als sicher. So ist der Recycling-Gedanke auf diesem Gebiet weit entwickelt. Nach der Aufbereitung wird der Schritt der Wiederverwertung allerdings zunehmend ins Ausland verlagert. Von dieser Entwicklung könnten bald auch andere Vorlieferanten der Futtermittelindustrie betroffen sein. Kleie beispielsweise, ein Nebenprodukt der Müllerei, könnte aufgrund von Schadstoffbelastungen ebenfalls eines Tages zum nur noch nach Osteuropa zu exportierenden Futterrohstoff degradiert werden. Solchen Entwicklungen muss etwas entgegen gehalten werden.

Die Devise für alle Futterrohstoffe muss daher Qualitätssicherung heissen. Allem voran müssen klare Definitionen in den gesetzlichen Bestimmungen stehen. Dies würde die Bewertung von Problemfällen erheblich erleichtern. Verstöße gegen die Bestimmungen müssen schonungslos aufgeklärt und gegebenenfalls geahndet werden.
 
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