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Konsequenz

Von Olaf Schultz, Frankfurt am Main

Seit vier Jahren darf Hanf in Deutschland wieder offiziell angebaut werden. Landwirte haben seitdem die ackerbaulichen Vorteile dieser Faserpflanze in der Fruchtfolge zu schätzen gelernt. Anbau, Bestandesführung und Ernte stellen heute - nach vier Jahren Idealismus und findigem Experimentieren - keine prinzipiellen Probleme mehr dar. In fünf Bundesländern wurden mittlerweile mit erheblichen Kosten Anlagen zur Weiterverarbeitung des neuen Rohstoffs aus dem Boden gestampft. Wenn auch noch zögerlich entdeckt die Industrie die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten des einheimischen Hanfs für sich. Alles in allem scheint sich die gesamte "Hanfschiene" in Deutschland hoffnungsvoll zu entwickeln. Dennoch steht ihr weiteres Gedeihen buchstäblich in den "Europa-Sternen".

EU-Agrarkommissar Franz Fischler ließ bei seiner Vorstellung vor dem Landwirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments am Montag in Brüssel die Katze aus dem Sack: In den kommenden Monaten will die EU-Kommission einen Vorschlag zur Reform der Marktordnungen für Flachs und Hanf auf den Tisch legen. Konkretere Details über die Pläne liegen zwar noch nicht vor. Dennoch sind vielleicht gerade deswegen Branchenvertreter sehr beunruhigt. Am wahrscheinlichsten dürfte sein, dass die Flächenbeihilfe für Hanf von derzeit 1296 DM/ha drastisch gekürzt wird. Pessimisten rechnen sogar mit einer vollständigen Abschaffung. Bereits im vergangenen Jahr sahen die Preisvorschläge der Kommission eine Kürzung der Flächenbeihilfe für Hanf um 25 Prozent vor mit der Begründung, dem steigenden Prämien-Missbrauch Einhalt zu gebieten. Am Ende der Verhandlungen im Rahmen des Preispakets stand schließlich eine Kappung der Prämie um 7,5 Prozent. Erkauft wurde dieser Kompromiss mit dem Beschluss des EU-Agrarministerrates, dass ab dem Wirtschaftsjahr 1999/2000 - wie schon beim Flachs - auch beim Hanf zum Erhalt der Prämie verbindliche Abnahmeverträge zwischen Hanferzeugern und einem Erstverarbeiter abgeschlossen werden müssen.

Zweifellos ist die derzeitige Flächenbeihilfe für die Landwirte sehr lukrativ, was auch immer wieder "Prämienjäger" auf den Plan ruft. Ein solcher Missbrauch lässt sich jedoch auch ohne drastische Kürzung der Prämien eindämmen. Denn die jetzt vorgeschriebenen Verträge zwischen Erzeuger und Erstverarbeiter erlauben bessere Kontrollen. Bei konsequenter Umsetzung der jeweiligen Behörden bietet diese Alternative wesentlich mehr Einblick in die anbaufördernde Wirkung der Prämien. Sollte die Flächenbeihilfe für den Hanf zukünftig jedoch wesentlich gekürzt oder sogar abgeschafft werden, wären die langstieligen Faserpflanzen sicher in Deutschland bald wieder von den Feldern verschwunden und die Landwirte auf dem ohnehin engen Agrarmarkt um eine gewinnbringende Nische ärmer. Dies dürfte wiederum nicht im Interesse Brüssels sein. Immerhin werden Projekte zur Förderung nachwachsender Rohstoffe, zu denen auch Hanf zählt, aus Brüsseler Töpfen seit Jahren mit Millionenbeträgen unterstützt.
 
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