1

Spannend

Von Peter Jesch, Bad Harzburg

Mit Spannung erwartet werden die ersten Untersuchungsergebnisse der diesjährigen Weizenernte hinsichtlich der Qualitätseigenschaften. Vorgestellt werden sie in der nächsten Woche in Hildesheim und Detmold. Am Dienstag präsentiert die Arbeitsgemeinschaft für Qualitätsweizenanbau der Landwirtschaftskammer Hannover erste Werte, am Donnerstag folgt die Bundesforschungsanstalt für Getreide-, Kartoffel- und Fettforschung mit ersten bundesweiten Messwerten. Da die Erntemenge mit Spitzenerträgen und die Qualitäten mit insgesamt guten Durchschnittswerten im Mehrjahresvergleich bereits bekannt sind, dürften Überraschungen im negativen Sinne nicht zu erwarten sein. Dies schließt nicht aus, dass regional, speziell in Süddeutschland, auch weniger gute Partien - je nach witterungsbedingten Einflüssen - dabei sein werden. Allgemein wird jedoch von Weizen normaler Brotqualität ausgegangen.

Generell dürfte die Weizenernte 1999 interventionsfähig sein. Zudem dürfte der um 0,5 bis 1,0 Prozentpunkte geringere Proteinwert angesichts der ausreichenden Erntemenge die Mühlen kaum vor Probleme stellen, zumal wahrscheinlich alle anderen Werte stimmen. Die Kleberqualität und das Backvolumen werden einem normalen Durchschnitt entsprechen. Es traten insbesondere keine extremen Einflüsse hinsichtlich Fusarien auf. So orientierte sich der Marktpreis für B-Weizen Anfang September 1999 um die 24,- DM/dt franko Mühle wie im Vorjahr am Interventionspreisniveau. Gespannt ist die Branche auf die Aufschläge für Qualitätsweizen. Sie lagen im Vorjahr für A-Weizen bei rund 1,50 bis zu 2,- DM/dt und für E-Weizen bei bis zu 5,- DM/dt je nach Proteingehalt und Parität. Zur Zeit werden für die Ernte 1999 Aufschläge beim A-Weizen von 1,25 bis zu 1,50 DM/dt genannt und für E-Qualitäten 3,50 bis zu 4,- DM/dt.

Das Preisniveau für den Verarbeiter liegt also zu Beginn des Getreidewirtschaftsjahres 1999 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Die Erzeugerstufe hofft auf Preissteigerungen, die jedoch nur bei zusätzlichen Exporten eintreten können, da von der Erntemenge her und bei den hohen Beständen in der EU keine Marktentlastung zu erwarten ist. Für das laufende Wirtschaftsjahr ist zudem zu beachten, dass ab Juli 2000 die erste Stufe der Agenda-2000-Preissenkungen mit 7,5 Prozent greift. Dies bedeutet, die Ware fließt spätestens im Frühsommer 2000 in die Intervention, wenn nicht ein lukrativer Exportbedarf aufkommt. Nachfrage könnte es in Süden Europas aufgrund kleinerer Ernten 1999 geben. Genaue Bedarfsmengen anderer EU-Länder sind aber noch nicht greifbar. Die Erzeuger und der Erfassungshandel sind jedenfalls derzeit mit der Bonitierung ihrer Bestände beschäftigt und für den Markt ist das gut. Denn falls sich Bedarf für überregionales Geschäft bis hin zu EU-Käufen in Italien und Benelux zeigt, liegt eine Mengenübersicht der verschiedenen Qualitäten vor. Generell bleibt jedoch für die Verarbeitungsindustrie Deutschland auch in diesem Jahr ein Käufermarkt. Der unverändert harte Wettbewerb bei weiter zunehmender Konzentration durch Fusionen in der Ernährungsindustrie wie das jüngste Beispiel der Kamps AG, Düsseldorf, zeigt, läßt wenig Spielraum für auskömmliche Handelsspannen.
stats