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Signale

Von Horst Hermannsen, München

Die Mälzer bangen um ihre Rohstoffbasis. Vorausgesetzt die Wintersaat geht auf, dann wird im nächsten Frühjahr der Sommergerstenanbau deutlich eingeschränkt. Der Markt benötigt positive Signale. Das jedenfalls meinen bayerische Mälzer und Erzeugervertreter. Sie treffen sich am kommenden Dienstag in Kulmbach zu einem Gedankenaustausch. Beschlossen wird dort jedoch nichts. Schließlich fehlt bei den Preisabsprachen der Handel. Auf manches Handelsunternehmen ist die Malzwirtschaft, aber auch der Bauernverband nicht gut zu sprechen. Immerhin versuchen Händler bei den Verarbeitern bereits 27,- bis 28,- DM/dt franko durchzusetzen. Gleichzeitig liegen die Erzeugerabrechnungen für Braugerste noch im Schnitt bei 20,- bis 21,- DM/dt netto. Handelsspannen von 5,- bis 7,- DM seien keineswegs gerechtfertigt, beklagen aufgebrachte Mälzer. Allerdings sollten Landwirte und Verarbeiter sich hüten, die Lieferzeiträume durcheinander zu bringen und die Unterschiede in den Kontrakten zu ignorieren. Braugersten- und Malzmärkte werden in hohem Maße durch Mischkalkulationen bestimmt. Im Übrigen ist gutes Geld zu verdienen nicht ehrenrührig.

Wichtig scheint, dass auch die Brauwirtschaft einen überzeugenden Wink erhält. Mancher Brauer erwartet für das nächste Sudjahr weiter sinkende Malzpreise. Begründet wird dies unter anderem mit der Absenkung des Getreide-interventionspreises. Diese Hoffnung der Biersieder mag zuweilen durch das Verhalten der einen oder anderen Mälzerei genährt worden sein - real begründet ist sie nicht. Die erwartete Anbaueinschränkung bei Braugerste in Deutschland wird selbst dann zu höheren Forderungen führen, wenn in anderen EU-Staaten die Fläche konstant bleibt oder leicht ansteigt. Unabhängig davon stellt sich die Frage, ob es in Bayern zu "offiziellen" Preisempfehlungen für Anbau- und Lieferverträge kommen muss. Ohne die gelegentlich komödiantisch anmutenden Selbstdarstellungen von Funktionären und ermüdenden Verhandlungen können bereits heute Mälzer in einigen Regionen Deutschlands Braugerste vom Handel für etwa 28,- DM/dt franko ex Ernte 2000 beziehen. Ist es nicht zweckmäßig, wenn im Vertragsgeschehen nur jene Partner mitmischen, die etwas zu kaufen oder zu verkaufen haben? Es hat wenig Sinn, in Kulmbach Extreme vorzutragen. Marktverhältnisse lassen sich nicht im Nachhinein korrigieren. Selbst wenn die kühnsten Wünsche der Erzeuger von den Beteiligten wohlwollend diskutiert würden, so hätte dies keinen Einfluss auf das Anbauverhalten. Kein Landwirt lässt bei optimalen Witterungsverhältnissen in diesen Tagen die Drillmaschine ruhen, weil ihm ein guter Preis für Sommergerste in Aussicht gestellt wird. Andererseits verprellen Erzeugerpreise von 20,- DM/dt und weniger - wie sie vor und während der jüngsten Ernte ins Gespräch gebracht wurden - die Bauern. Die Malzindustrie tut gut daran, den Landwirten zu zeigen, dass sie am heimischen Rohstoff interessiert ist. Dies ließe sich am besten mit Geboten verdeutlichen, die auf Erzeugerebene bei 23,- bis 24,- DM/dt netto valuta 1. Oktober 2000 lägen. Mit dieser Vorlage hätten die Mälzer auch gegenüber ihren Kunden, den Brauereien, eine vernünftige Kalkulationsgrundlage. Der Handel zieht dann mit, wenn sich seine Spanne rechnet. Über deren Höhe müssen die Marktpartner allerdings im Einzelfall ringen.
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