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Qualität

Von Jan Peters, Hamburg

Auf dem Getreidesektor in Schleswig-Holstein zeichnen sich schon heute deutliche Anzeichen für verhängnisvolle Entwicklungen ab. In diesem Bundesland wuchs bisher Weizen heran, der durchaus internationalen Ansprüchen für Qualitätsweizen erfüllte. Im Wettbewerb mit den französischen Berufskollegen ließen sich für norddeutschen Weizen immer Prämien von 4,- bis 6,- US-§/t im Export erzielen. Für Weizen aus Mecklenburg-Vorpommern gilt dies noch heute. Aus Schleswig-Holstein jedoch stockt seit gut zwei Jahren die Vermarktung, da die erforderlichen Proteinwerte von 12 Prozent für den Export nicht immer erreicht werden. Es kommt zu Beanstandungen der qualitätsorientierten Mühlenindustrie. Dies erklärt auch die seit Wochen sehr ruhige Weizennachfrage. Hier muss gegengesteuert werden, wenn langfristig Markt-anteile nicht verloren gehen sollen.

Schleswig-Holstein produziert schon seit vielen Jahrzehnten wesentlich mehr Getreide, als im Lande verbraucht werden kann. Mit Einführung der ertragreichen Sorten und des immer besser werdenden Know-hows der Landwirte stieg der Ertrag kontinuierlich an. Stehen die in diesem Jahr extrem hohen Weizenerträge mit regional über 120 dt/ha in einem Zusammenhang mit den kaum ausreichenden Proteingehalten des Weizens? Die geerntete Menge je Hektar hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten in fast allen Regionen des Landes verdoppelt. Trotz aller Euphorie über die hohen Hek-tar-erträge zeigen die diesjährigen Ergebnisse, dass die Proteinwerte in Schleswig-Holstein mit durchschnittlich nur 11,7 Prozent zu wünschen übrig lassen. Im Bundesdurchschnitt, der bei 12,6 Prozent Protein liegt, halten die Schleswig-Holsteiner zusammen mit ihren Berufskollegen aus Nordrhein-Westfalen das Schluss-licht. Erhebliche Mengen des Weizens aus Schleswig-Holstein müssen außerhalb der Landesgrenzen vermarktet werden. Denn die Poduktion beträgt fast fünf mal so viel, wie im Lande selbst bei den Mühlen oder Mischfutterherstellern verbraucht wird. Neben der derzeit wenig zufrieden stellenden Proteinqualität zählt zu den Nachteilen Schleswig-Holsteins noch die Marktferne. Die Wege zu den Mühlen in Europa sind oftmals durch hohe Frachtkosten blockiert. Zu diesen Mühlen haben die schleswig-holsteinschen Vermarkter nur Zugang, wenn sie entweder bei höheren Frachtraten auf einen Teil der Erlöse verzichten, oder aber durch hohe Qualitätsstandards und jederzeit stetiger Bedienung des Marktes die Nachteile ausgleichen können.

Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Vermarkter und Produzenten gleichermaßen das Thema Proteinqualität aufgreifen. Bislang haben Beratung und Züchtung nicht ausreichend mit den Vermarktern wirklich an einem Strang gezogen. Für die Zukunft steht fest: Bei Brot- und Qualitätsweizen haben nur noch große und einwandfreie Partien Chancen, wenn ein Markt überregional bedient werden soll. Eine einheitliche Ausrichtung der Vermarktungsstrategie ist künftig gefordert, soll nicht riskiert werden, dass der Ruf nach dem einst hochgepriesenen holsteinischen Weizens weiter verhallt.
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