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Ehrgeizig

Von Olaf Schultz, Frankfurt am Main

Schwein muss das Land haben - so lautet der Slogan einer Kampagne, mit der in Mecklenburg-Vorpommern die Produktion von Borstenvieh wieder angekurbelt werden soll. Seit dem Frühjahr sind hierzu gemeinsam vom Landwirtschafts- und Umweltministerium Nägel mit Köpfen versehen worden. Eine Arbeitsgruppe beider Institutionen wirbt in Gesprächen mit Landwirten, Vertretern der Futtermittelindustrie und Schlachthöfen, Umweltverbänden sowie Kommunen seither für die Errichtung art- und umweltgerechter Schweineställe. Investitionswillige landwirtschaftliche Unternehmer, deren Projekte die rechtlichen Vorgaben einhalten, sollen schnell und unbürokratisch unterstützt werden. Dahinter steckt das Ziel, den Bestand an Schweinen im Land langfristig auf bis zu 1,8 Millionen Tiere aufzustocken. Ein ehrgeiziges Vorhaben, denn gegenwärtig werden in Mecklenburg-Vorpommern nur etwa 637 000 Schweine gezählt.

Dabei waren die ehemaligen Nordbezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg, aus denen das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern im Wesentlichen hervorgegangen ist, bis zur politischen Wende ausgesprochene Veredelungshochburgen. Mit fast 2,0 Millionen Tieren stand in den Ställen dort fast jedes vierte Schwein Ostdeutschlands. Bis 1995 sank der Schweinebestand jedoch auf einen Tiefstand von etwa 527 000 Tieren ab. Zwar konnte von diesem Zeitpunkt an die weitere Talfahrt des Bestands gestoppt werden. Trotzdem bleibt die Tierbesatzdichte mit 0,46 Schweinen/ha LF die geringste in Deutschland. Vieles spricht dafür, die Schweinemast in Mecklenburg-Vorpommern auszubauen. Sie ermöglicht heute nicht einmal annähernd die Selbstversorgung mit Schweinefleisch. Die dünne Besiedlung des Bundeslandes, seine humusarmen Böden sowie moderne, nicht ausgelastete Schlachthöfe bilden beste Voraussetzungen für einen höheren Schweinebestand in Mecklenburg-Vorpommern. Die vor Ort möglichen, großen Betriebseinheiten lassen zudem eine niedrige und damit wettbewerbsfähige Fixkostenbelastung erwarten. Im Paket mit diesen "hausgemachten" Vorteilen schafft die gestartete Kampagne eine solide Basis, um den angepeilten Ausbau der heimischen Veredelungsindustrie auch tatsächlich zu erreichen. Etabliert werden soll die Schweinehaltung auch in bislang spezialisierten Marktfruchtbetrieben. Dabei wird die Freilandhaltung eines kleinen Bestands ebenso unterstützt wie etwa die großbetriebliche Anlage.

Die Initiative geht einher mit einer Phase der Neuverteilung von Markt-anteilen im Schweinesektor der EU. Beispielsweise wollen die Niederländer ihre Schweinebestände in den kommenden fünf Jahren um mindestens 25 Prozent abbauen. Landwirte im Nordosten sollten nichts unversucht lassen, mit dem Rückenwind der Schweriner Landesregierung in diese Lücken zu stoßen. Klug wäre es, dies im Rahmen integrierter Produktionsketten wie in Dänemark zu tun. "Schwein haben" muss nicht nur die Konkurrenz.
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