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Knapp

Von Hermann Steffen, Bonn

Die kräftige Steigerung der Rapsschrotpreise hat fast alle Beteiligten überrascht. Auch wenn die Kurse für das Leitprodukt Sojaschrot in den vergangenen Wochen und Monaten trotz Schwankungen angezogen sind, fiel die Preiserhöhung für Rapsschrot überproportional größer aus. Inzwischen werden für loko-Partien, falls sie überhaupt verfügbar sein sollten, ab rheinischer Ölmühle 25,- DM/100 kg bezahlt. Auch für andere Paritäten werden hohe Kurse genannt, und die Mischfutterindustrie wartet größtenteils seit der ersten Januarwoche auf die knapp verfügbare Ware.

Die Gründe für den Preisanstieg sind vielschichtig. Bei den niedrigen Rapsschrotpreisen in und nach der Ernte rechnete sich diese Komponente in den Mischungen bei der Mischfutterindustrie vorzüglich und blieb hinter der Preissteigerung für Sojaschrot zurück. Hinzu kommt, dass Rapsschrot in den Rationen für Rinderfutter eine feste Größe ist, die sich anscheinend nicht nennenswert reduzieren lässt, auch wenn der Einsatz in den Mischungen etwas zurück gefahren wurde. Die Alternativen bei den Mittelproteinen sind zudem begrenzt und Sonnenblumenschrot lässt sich nur mit bestimmten Anteilen einsetzen, so dass sich bis zu 30 Prozent Rapsschrot in den Rationen für Rinderfutter befindet. Auch im Schweinefutter ist der Einsatz mit 8 bis 9 Prozent stabil. In den Niederlanden ist der Einsatz im Schweinefutter noch weitaus größer und auch im Hühnerfutter wird verstärkt Rapsschrot beigemischt.

Doch sowohl in den Niederlanden als auch in der deutschen Mischfutterindustrie ist die Deckung für die Saison sehr dünn. Schätzungen gehen davon aus, dass in Holland der Bedarf für Februar/April höchstens bis zu 30 Prozent gedeckt sein dürfte und für den Termin Mai/Juli noch so gut wie nichts gemacht wurde. Die deutsche Mischfutterindustrie hat für den Frühjahrstermin wahrscheinlich noch weniger in den Büchern, da sie derzeit in erster Linie nur vordere Ware kauft und sozusagen von der Hand in den Mund lebt.

Gegenwärtig zeichnet sich auch für Februar keine Entspannung ab, denn die Schlaglöhne der Ölmühlen bleiben bei niedrigen Ölpreisen und schlechten Absatzmöglichkeiten für Öl gedrückt, so dass Schrot in den Kalkulationen der Mühlen wieder eine bedeutendere Rolle eingenommen hat. Das knappe Angebot lässt sich zudem kurzfristig auf Produktionsstörungen bei den Ölmühlen am Niederrhein und auf das sehr verhaltene Angebot von Rapssaat aus der Landwirtschaft zurückführen.

Von Rapsschrotimporten ist ebenfalls keine all' zu große Entlastung zu erwarten, denn die Einfuhren aus China in die EU in einer voraussichtlichen Größenordnung von 350 000 bis 400 000 t zwischen Februar und Juli liegen unter den ursprünglichen Erwartungen. Nach Deutschland dürften dabei höchstens 100 000 bis 150 000 t gelangen. Die ersten Abladungen sind unterwegs und dürften deutsche Häfen erst in 14 Tagen bis drei Wochen erreichen. Diese Mengen für Deutschland werden nur auf 50 000 bis 60 000 t geschätzt. Wieviel Mengen aus Tschechien kommen werden, bleibt fraglich. Angesichts dieser Situation wird sich der derzeitige "Inverted-market", mit schwächeren Preisen auf die späteren Termine und Preisabschlägen von bis zu 3,- DM/100 kg, ab März nicht unbedingt halten lassen.
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