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Gutes Klima

Von Bernd Springer, Frankfurt am Main

"Was haben die, was wir nicht haben?" Diese Frage drängt sich auf, wenn die Entwicklung des Schweinesektors in Spanien beobachtet wird. Augenfällig ist sofort die endlos erscheinende Weite des Landes. Zwar findet das Wachstum der Schweinebestände vor allem in den nördlichen Regionen Spaniens statt, wo die Schweinedichte ohnehin höher ist als im trockenheißen Süden. Dennoch reicht die Bestandsdichte bei weitem nicht an die heran, die wir in unseren oder benachbarten Intensivgebieten kennen.

Spanien, das Ende der achtziger Jahre noch fast 20 Prozent seines Bedarfes an Schweinen auf den Importmärkten deckte, hat innerhalb von zehn Jahren die Marke von 100 Prozent Selbstversorgung bei Schweinefleisch überschritten - und das bei steigendem Inlandsverbrauch. Das Wachstum fand dabei in den oberen Bestandsgrößenklassen statt. In Spanien steht nur ein Drittel der Mastschweine in Beständen von unter 400 Schweinen, in Deutschland sind es dagegen über die Hälfte. Mit über 32 Millionen produzierten Schweinen rangiert das Land mittlerweile auf dem zweiten Platz hinter Deutschland (40 Millionen Tiere) und vor Frankreich (27 Millionen Tiere). Die Investoren der spanischen Schweinebrache kommen nicht nur aus dem eigenen Land. Große Einheiten werden auch von Schweinehaltern aus den Niederlanden, Belgien und Dänemark errichtet. Hieran ist deutlich zu erkennen, dass Produktionsspezialisten aus den europäischen Intensivgebieten den Schritt nach Spanien tun, um Einschränkungen in ihren Ländern zu entfliehen. Die Investitionen werden in Spanien dort getätigt, wo für die Schweinehalter überzeugende Partner in den vorgelagerten Bereichen zur Verfügung stehen, wobei vielfach enge und langfristige vertragliche Bindungen eingegangen werden. Die Mischfutterindustrie ist ein Nutznießer dieser Entwicklung. Sie konnte allein 1999 ihren Ausstoß an Mischfutter für Schweine um 10 Prozent erhöhen. Auf Grund der schnell steigenden Nachfrage ist auch in der Mischfutterindustrie eine Investitionswelle in Modernisierung und Kapazitätsausweitung bestehender Anlagen losgetreten worden.

Der wesentliche Wachstumsfaktor ist also nicht die verfügbare Fläche allein. Auch Branchenpartner, die in der Lage sind, große Bestände zu beliefern und deren Produkte zu vermarkten, schaffen das Klima, in dem Investitionen getätigt werden. Zudem ist die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber der Schweinehaltung im Land des Serrano-Schinkens hoch. Wenn hierzulande also darüber nachgedacht wird, wie der Selbstversogungsgrad von 80 Prozent bei Schweinefleisch deutlich gesteigert werden kann, ist nicht die Schweineproduktion alleine zu sehen. Um eine wirkungsvolle Förderung zu erreichen, müssen die Anstrengungen auf Regionen konzentriert werden, die möglichst viel von dem haben, was auch die spanischen Wachstumsregionen aufweisen: Fläche, leistungsfähige Partner und Akzeptanz in der Bevölkerung.
 
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