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Erleichternd

Von Bernd Springer, Frankfurt a.M.

Vor dem Agrarhandel macht die Entwicklung von Anwendungen für den elektronischen Handel nicht halt. So können beispielsweise beim Hamburger Großhandelsunternehmen BSL seit Anfang des Jahres Betriebsmittel online geordert werden. Zudem ist mit Farmpartner.com jetzt eine Handelsplattform online, über die mit Hilfe von Auktionen, Ausschreibungen und elektronischen Shops Betriebsmittel und Produkte gehandelt werden können. Weitere Plattformen sind für später im Jahr angekündigt und werden die Möglichkeiten für den Handel mit Betriebsmitteln und Agrarprodukten erweitern.

Marktstudien zufolge gibt es im Agrarhandel ein Potenzial von 10 Mrd. DM Umsatz jährlich, der in den nächsten fünf Jahren ins Internet wandern kann. Dieser geht dem klassischen Agrarhandel nicht verloren, denn Portale bieten in erster Linie neue Mittel für Handelsaktivitäten, nicht aber unbedingt neue Wege. Die Angst, dass durch das Internet eingefahrene Beziehungen aufgebrochen und die Angebote als Preisbrecher eingesetzt werden, ist so gesehen unbegründet. Die Ware an sich wird durch den Handel im Internet nicht billiger. Es ist vielmehr die Zeitersparnis und die Vereinfachung von Abläufen, die den elektronischen Handel attraktiv machen. Eine dynamische Preisfindung mittels Auktionen oder Ausschreibungen ist ungleich rationeller als Preisverhandlungen und der mühsame Vergleich von Angeboten per Fax und Telefon. Allerdings werden die Portale über Kooperationspartner einen Teil der Serviceleistungen mit anbieten, um ihre Attraktivität zu steigern. Sie könnten damit Handelsunternehmen Aufgaben streitig machen.

Auf der Seite der Nachfrage sind es unter den Landwirten nicht unbedingt die großen Betriebe, die am schnellsten Vorteile im Internet realisieren können, auch wenn bei ihnen die Internetdurchdringung bereits recht hoch ist. Deren Betriebsleiter oder dessen Mitarbeiter haben die Zeit, um sich um Beschaffung und Verkauf auch mit überregionalen Partnern zu kümmern. Profitieren werden vielmehr die Betriebsleiter, die einen großen Anteil des Tages auf dem Acker oder im Stall verbringen. Für sie steht wenig Zeit zur Verfügung, um mit Handelspartnern zu sprechen. Der elektronische Handel bringt für kleine und mittlere Betriebe die Möglichkeit, auch außerhalb der Geschäftsstunden an Auktionen teilzunehmen, Angebote zu prüfen und zu bebieten oder Ausschreibungen zu tätigen. Das nimmt viel zeitlichen Druck aus dem Tagesgeschäft und schafft Kapazitäten für Verhandlungen über Preis und Serviceleistungen.

Der elektronische Handel via Internet ist eines nicht: der Grund, bewährte Handelsbeziehungen abzubrechen und Abläufe abrupt umzukrempeln. Jedoch wird die Hemmschwelle, erste vorsichtige Gehversuche mit Beschaffung und Verkauf im Internet zu unternehmen um so geringer, je selbstverständlicher und alltäglicher der Umgang mit diesem Medium wird. Den Schlüssel für eine schnelle Verbreitung des elektronischen Handels haben dessen Anbieter selbst in der Hand: Bedienungsfreundlichkeit, Zuverlässigkeit, Service und letztendlich die "persönliche Note" sind Tugenden, die Online wie Offline auch die zukünftigen Handelsbeziehungen in der Agrarbranche auszeichnen werden.
 
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