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Unglaublich

Von Daphne Huber-Wagner, Frankfurt a.M.

Nur zu gut erinnern sich Exporteure von Weizen an den schwarzen Donnerstag vor zwei Wochen, als sich die EU-Kommission mit einer Nullerstattung für Weizenexporte aus dem freien Markt in die Sommerpause verabschiedete. Unverständnis über dieses Vorgehen spiegelt sich in den Gesichtern der Händler wider, die entsprechend ihrer Markteinschätzung Erstattungsforderungen von 7,- bis 35,- Euro/t eingereicht hatten und nun zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen leer ausgingen. Viele Exportgeschäfte sind ohne die dazu erforderlichen Lizenzen damit erst einmal nicht mehr möglich. Dazu kommt, dass die EU-Kommission voraussichtlich erst wieder im August Ausschreibungen für Getreideexporte aus dem freien Markt entgegen nimmt. Sie will erst einmal die kommende Getreideernte und damit die aktuelle Preisentwicklung abwarten, heißt es in der offiziellen Begründung.

Viele Exporteure fühlen sich von Brüssel im Stich gelassen. Damit ist es den EU-Verantwortlichen "vortrefflich" gelungen, das Exportgeschäft im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr auf einem äußerst niedrigen Preis-Niveau auslaufen zu lassen, ohne die Erwartungen für die neue Exportsaison zu hoch zu schrauben. Auf keinen Fall sollten diese beiden Nullerstattungen für Weizenexporte als ein Signal für die Erstattungshöhe bei Weizen im kommenden Wirtschaftsjahr gesehen werden. Die Erstattung wurde nicht - wie die EU-Kommission selbst zugibt - auf Grund der aktuellen Marktverhältnisse auf Null gesetzt. Vielmehr hätten der schwächere Kurs der amerikanischen Währung und die sinkenden Weltmarktpreise für Weizen Erstattungen von 10 bis 12,- Euro/t zugelassen, um die Differenz zwischen hohem EU-Preis und niedrigem Weltmarktpreis auszugleichen. Ärgerlich für die übrigen Bieter, die nun beim aktuellen Exportgeschäft über 150 000 t Weizen nach Algerien wahrscheinlich leer ausgehen dürften. Denn deutscher Brotweizen notiert derzeit zwischen 130,- und 135,- US-§/t bei einem Dollarkurs von 2,04 DM. Zwischen den hiesigen Notierungen und den Preisen von 116,- US-§/t einer vergleichbaren Qualität des Hard Red Winters aus den USA liegen Welten. Schuld an den Nullerstattungen ist die in der Öffentlichkeit ständig kursierende Kritik, in Brüssel würden zu viel Haushaltsgelder verschwendet. Dies macht die EU-Kommission geradezu hilflos gegenüber solchen unrealistischen Angeboten bei der Vergabe von Lizenzen.

Unglaublich aber wahr: Die jetzt dringend benötigten Lizenzen sind wahrscheinlich im Besitz desjenigen, der die besagten Nullerstattungen bei der EU-Kommission eingereicht hat. Immer mehr verdichten sich die Anzeichen, dass der einzig erfolgreiche Bieter über zu viele Exportlizenzen verfügte, die er bereits in früheren Wochen für 20 bis 30 Euro/t erworben hatte. Da liegt es doch nahe, dass er nun darauf aus ist, diese meistbietend auf dem freien Markt zu verkaufen. Die Hilflosigkeit der EU-Kommission wird dadurch noch verstärkt. Die ersten Weizenlieferungen von Wettbewerbern aus den USA sind bereits nach Nordafrika unterwegs.
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