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Rechnen

Von Ulrike Buchmann, Frankfurt a.M.

Anfang der Woche erklärte der langjährige Vorsitzende des Getreideausschusses der Landhändler, Erwin Fromme, die Erzeugerpreise seines Unternehmens würden bei Gerste um 0,50 bis maximal 1,- DM/dt unter das Vorjahresniveau fallen. Er zeigte damit an, dass die volle Interventionspreissenkung von 1,75 DM/dt derzeit für ihn kaum durchsetzbar ist. Bundesweit gesehen kann inzwischen allerdings jeder Erfasser von Glück reden, der nicht die Preise des Vorjahres zahlen muss. Denn der guten Nachfrage steht nicht das entsprechende Angebot gegenüber. So läuft die Zeit, in der keine neuen Mengen an den Markt kommen, gerade gegen die Erfasser.

Der Agrarhandel steckt in der Klemme. Große Mengen an Interventionsgetreide fließen derzeit in den Export und verursachen einen enormen Nachfragesog. Zudem soll es bereits einiges an Nachfrage aus der Mischfutterindustrie geben, insbesondere aus den Niederlanden. Auf der Angebotsseite hat die Frühsommertrockenheit zu regional deutlichen Ernteausfällen geführt und andernorts brachten die Regenfälle Ernteverzögerungen oder zumindest -unterbrechungen. In dieser Zeit sollten die Beteiligten sich einmal ihre Abhängigkeit von der Intervention vergegenwärtigen. Für Deutschland war die Bedeutung im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 1999/2000 jedenfalls groß. Die Getreidekäufe der aufnehmenden Hand dürften wie im Vorjahr bei rund 5 Mio. t Gerste (ohne Braugerste) gelegen haben. Dem steht eine von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Frankfurt a. M., in die Intervention übernommene Menge von 2,7 Mio. t gegenüber. Im Jahr zuvor war sie mit 2,6 Mio. t Gerste nur unwesentlich geringer. Wer aber diesen Absatzweg auch weiterhin wählt, muss auch dessen Bedingungen in die Rechnung einfließen lassen.

Schließlich wurde nicht nur der Preis um 7,5 Prozent gesenkt. Zumindest für nicht ganz trocken abgelieferte Partien muss die Höchstfeuchtigkeit von 14,5 Prozent erst einmal erreicht werden. Abzüge von bis zu 1 Euro/t sind auch dann noch anzusetzen, oder entsprechende Trocknungskosten, wenn die Partie 14,0 Prozent Feuchte überschreitet. Zudem hat die EU-Kommission auch das Kriterium Hektoliter-Gewicht schärfer gefasst. Werden weniger als 64 kg/hl erreicht, so kommt es zu einem Abzug bis zu 1 Euro/t. Lediglich bei den Abzügen für bestimmte Besatzfraktionen gab es marginale Änderungen, die sich ein klein wenig zu Gunsten der Andienenden rechnen. So sind die Abzüge nicht mehr in Prozent vom Interventionspreis, sondern in Euro/t festgesetzt.

In der derzeitigen Situation ist mancher Händler froh, wenn er die Ware bekommt. Doch dabei er muss er auch den Absatz im Auge behalten. Es stellt sich die Frage, ob bessere Absatzwege als die Intervention die derzeit hohen Preise rechtfertigen. "Investitionen" von bis zu 2 DM/dt und darüber, nur um für die Intervention Ware zu bekommen, dürften sich jedenfalls auch über das Lagergeld der BLE nicht rechnen. Denn es hat sich gezeigt, dass die BLE sich schneller von Ware trennt als einem lieb ist.
 
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