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Neue Töne

Von Dagmar Behme, Frankfurt a.M.

Braugerste ist zurzeit ein viel diskutiertes Thema. In den deutschen Anbauregionen finden die traditionellen Braugerstenrundfahrten statt. Überregional veranstalten führende Züchter Foren, bei denen die Branche vom Landwirt bis zum Brauer Erfahrungen austauscht. Einigkeit besteht derzeit darüber, dass in Deutschland zur Ernte 2000 zu wenig Braugerste angebaut worden ist. Wegen der miserablen Preise zur letztjährigen Kampagne haben die Landwirte bundesweit die Fläche massiv eingeschränkt. Deutsche Mälzer könnten in diesem Wirtschaftsjahr darauf angewiesen sein, bis zu einem Drittel ihres Rohstoffs außerhalb des Landes zu ordern. Auf den EU-Märkten wartet man jedoch nicht sehnsüchtig auf deutsche Käufer. Seit Monaten ist EU-Braugerste auch international ein begehrter Artikel. Damit zur Ernte 2001 deutsche Braugerste nicht noch mehr zur Mangelware wird, müssen noch vor der diesjährigen Herbstaussaat entsprechende Signale an die Landwirte gegeben werden.

Der deutsche Braugerstenmarkt leidet jedoch nicht nur an einem Defizit bei heimischem Rohstoff, sondern vor allem an mangelndem Informationsaustausch. Im dem seit Jahren praktizierten Preispoker dienen Informationen überwiegend dazu, den Markt im eigenen Sinne zu beeinflussen. Konstruktiver für alle Marktbeteiligten wäre aber ein gemeinsamer Kenntnisstand über die Anforderungen der Märkte. Hierzu können gerade die überregionalen Diskussionsforen beitragen.

Trotz nationaler Besonderheiten schreitet auch bei den Märkten für Braugerste und Braumalz die Globalisierung voran. Entsprechend differenzieren sich die Ansprüche. Viele deutsche Mälzer und Brauer wünschen sich mittlerweile die Abkehr von der Einheitssorte. Sie halten inzwischen eine größere Auswahl für erforderlich, um mit angepassten Braugerstensorten sowohl den verschiedenen Standorten als auch den verschiedenen Verarbeitungstechnologien gerecht zu werden. Zunehmend differenzierter werden auch die Anforderungen an die Qualität formuliert. Natürlich muss Braugerste wegen des Reinheitsgebotes in Deutschland höheren Ansprüchen gerecht werden als auf den meisten Exportmärkten, auf denen Bier nicht zum Kulturgut zählt. Dennoch sollte gerade in Deutschland diskutiert werden, ob die Braugerstenzüchter bei der Qualität nicht schon zu viel des Guten getan haben. Gleichzeitig müssen aber auch die Brauer deutlicher sagen, welche messbaren Qualitätseigenschaften sie sich überhaupt von einer Braugerste wünschen. Auch reicht es nicht aus, wenn Landwirte auf deutschen Äckern hervorragende Braugerste erzeugen. Zu häufig wird die Qualität noch durch Schlampereien bei Erfassung, Separierung und Lagerung zunichte gemacht.

Braugerste braucht auf allen Stufen der Produktionskette vom Bauer bis zum Brauer mehr Wissen und Sorgfalt. Hierzu tragen besser fließende Informationen und der Blick über regionale und nationale Grenzen bei. Eine gewisse Weitsicht erzeugt vielleicht auch Visionen, wie man bei deutschen Landwirten den Spaß an der Braugerste wieder erwecken kann.
 
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