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Offen legen

Von Olaf Schultz, Frankfurt a. M.

Am deutschen Strommarkt ist der Kampf um jede Steckdose entfacht. Das im April 1998 in Kraft getretene Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts ebnete hierzulande den Weg in Richtung einer Liberalisierung des Strommarktes. Die Strombezugskosten sind allein dadurch für die Verbraucher bis heute um 20 Mrd. DM gesunken - ein recht gutes Ergebnis für den "jungen" Wettbewerb. Allerdings sind noch nicht alle Trümpfe, die ein deregulierter Strommarkt mit sich bringt, ausgereizt. Die regionalen Leitungsnetze befinden sich nach wie vor in fester Hand der bisherigen Stromversorger. Diese sind nach dem neuen Energiewirtschaftsgesetz zwar verpflichtet, auch der Konkurrenz bestehende Netze gegen ein verbindliches Entgelt zur Verfügung zu stellen. Dennoch haben nur wenige Netzbetreiber bis heute ihre Gebühren offen gelegt. Nicht zuletzt diese Entgelte sind jedoch Grundlage für eine tatsächliche Transparenz und freien Wettbewerb am Strommarkt.

Erst wenn die Durchleitungskosten vollständig kalkulierbar sind, ist Strom ein standardisierbares Produkt. Als solches könnte es ein größeres Handelsvolumen an die Börsen bringen, die sich auf liberalisierten Strommärkten etablieren. Als erste Strombörse in Deutschland ging im Juni dieses Jahres die Leipziger Power Exchange (LPX) in der sächsischen Metropole an den Start. Die Betreiber in Leipzig erwarten, in drei Jahren ein Fünftel des gesamten deutschen Strombedarfs zu handeln. Seit der vergangenen Woche haben die Sachsen mit der European Energy Exchange (EEX) in Frankfurt a. M. Konkurrenz bekommen. Auch dort erwarten die Akteure mittelfristig ein ähnlich großes Stück vom deutschen "Stromkuchen" wie ihre Wettbewerber in Leipzig. Die Strombörsen versprechen noch mehr Preistransparenz und Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt, was sich in weiter sinkenden Preisen für die Verbraucher niederschlagen wird. Gespannt sein darf man, ob sich an zwei Standorten in Deutschland ausreichend Liquidität entwickelt.

Um in der Liberalisierung des deutschen Strommarktes weiter voranzukommen, sollten alle Netzbetreiber in Deutschland schnellstens ihre Durchleitungsgebühren offen legen. In der im Dezember des vergangenen Jahres von der Branche unterzeichneten, neuen Verbändevereinbarung Strom ist dafür sogar der Juni 2000 als Termin genannt. Lediglich die großen acht bundesdeutschen Netzbetreiber haben sich daran gehalten. Die Konditionen von den mehr als 900 regionalen Unternehmen bleiben bis auf wenige Ausnahmen weiter unbekannt. Damit wird der Wettbewerb auf dem Strommarkt massiv behindert. Deutschland sollte in dieser offensichtlich schwierigen Phase der Liberalisierung seines Energiemarktes auf Erfahrungen anderer europäischer Länder zurückgreifen, die ihren Markt bereits erfolgreich dereguliert haben. Eine davon wäre die Schaffung einer Aufsichtsbehörde, welche die Preise für die Netznutzung im Auge behält.
 
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