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Nachfrage

Von Hermann Steffen, Bonn

Der stetige Preisanstieg für Futterweizen in den vergangenen Wochen hat sicherlich einige überrascht, bewegten sich die Preise doch lange Zeit nach der Ernte auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau. Rückblickend wird deutlich, dass es bei der Vermarktung des Futterweizens so gut wie keine Probleme gegeben hat. Die Bereitschaft der Mühlen und der Stärkeindustrie, Weizen mit niedrigeren Fallzahlen zu verarbeiten, hat zum einen die Vermarktung erleichtert. Zum anderen kam die rege Nachfrage der Mischfutterindustrie hinzu.

Selbst im Westen und Südwesten, wo durch die qualitativ schlechte Weizenernte ein Überangebot an Futterweizen befürchtet wurde, dürfte dieserzu 65 Prozent vermarktet sein. Trotz größerer Anteile schlechter Weizenqualitäten als in anderen Jahren zeigt sich auch der Markt im süddeutschen Raum ausgeglichen und stabil, obwohl diese Region aus Frachtgründen nicht von den hohen Futterweizenpreisen im norddeutschen Raum profitieren kann.

In der Veredelungsregion Weser-Ems hat sich nach den jüngsten größeren überregionalen Käufen für Januar/Juni die Nachfrage bei steigenden Preisen beruhigt. Nachfrageüberhang gibt es in den östlichen Bundesländern, wo wenig Futterweizen vor der Haustür offeriert wird.

Für das kommende Jahr hat die Mischfutterindustrie noch erhebliche Deckungslücken. Zwar dürften in Weser-Ems schon 50 Prozent des Bedarfs bis Ende Juni gedeckt sein, an der Rheinschiene und in Holland allerdings nur bis Ende März. In Süddeutschland steht die Versorgung nur bis Ende Januar. In Ostdeutschland hat die Mischfutterindustrie für das neue Jahr noch sehr wenig in den Büchern, und das bei einer mehr als 10-prozentigen Steigerung der Verwendung im Mischfutter in Deutschland. Dies alles lässt europaweit einen festen und stetigen Markt erwarten, dem man allerdings die große Weichweizenernte von 95 Mio. t in der EU und rund 21 Mio. t in Deutschland entgegen halten kann.

Auch in Frankreich wurde bereits ein Großteil der Futterweizenqualitäten frühzeitig vermarktet. Frankreich konnte beim Absatz nach Holland und in die nordwestdeutschen Veredelungsgebiete vom währungsbedingten Ausfall des englischen Weizens profitieren. Die Preise haben selbst für französische Vermarkter ein überraschend hohes Niveau erreicht, das sich auch von der Absicht der EU-Kommission, französischen Weizen aus Interventionsbeständen freizugeben, nicht sonderlich beeindrucken ließ. Während in Ostfrankreich mehr als zwei Drittel der Futterqualitäten inzwischen vermarktet sein dürften, rechnen Marktbeteiligte für den Norden Frankreichs noch mit größeren unverkauften Mengen mit mittleren Qualitäten. Diese ließen sich zwar zum Teil als mühlenfähige Ware aufbereiten, doch bei dem verhältnismäßig kleinen Aufgeld hierfür scheint die Vermarktung als Futterweizen eher wahrscheinlich.

Kurzfristig erwarten Marktkenner allerdings noch keinen Marktdruck aus dieser Region, so dass die preistreibenden Argumente bei einer Bewertung des Marktes insgesamt überwiegen dürften. Schwierig greifen lässt sich die künftige Entwicklung am englischen Markt, zumal dort die Exportüberschusse zurzeit nicht einmal zur Hälfte abgebaut sind. Unsicher ist auch, wie hoch die Weizenexporte aus der EU ausfallen werden: Zu Beginn des neuen Jahres werden zwar Käufe aus Polen erwartet. Die Menge ist allerdings noch nicht bekannt. Auch die künftige Erstattungspolitik der Kommission ist ein Unsicherheitsfaktor. Denn von ihr können sowohl negative als auch positive Preissignale für den Futterweizenmarkt ausgehen.
 
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