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Vorreiter

Von Dr. Angela Werner, Frankfurt am Main

Mit der Fusion der Pflanzenschutz- und Saatgutgeschäfte von Novartis und Astrazeneca zur Syngenta AG ist wieder eine neue Supernova am Himmel des weltweiten Pflanzenschutzgeschäftes aufgegangen. Damit ist das derzeit mit Abstand größte rein auf Agrar ausgerichtete Unternehmen entstanden, wobei Novartis den Löwenanteil beisteuerte und auch die treibende Kraft für die Neuausrichtung war. Schon 1996 zählte Novartis, selbst erst aus einer Megafusion hervorgegangen, zu den ersten und größten Life-Science-Unternehmen. Als erstes Unternehmen in Europa verabschiedete sich Novartis dann vor gut einem Jahr bereits wieder von dem Life-Science-Konzept und nahm erneut eine Vorreiterrolle ein.

Im globalen Pflanzenschutzgeschäft ist Syngenta nun auf Platz eins und im Saatgutgeschäft auf Platz drei. Nachhaltiges und rentables Wachstum, was im Agrargeschäft dringend gebraucht wird, versprechen sich die Fusionspartner von dem Zusammenschluss. Die Ausgangsbasis ist gut, da sich die Aktivitäten beider Partner ergänzen. So verfügt Syngenta nach eigenen Angaben über das größte weltweite Verkaufs- und Servicenetz. Der Börsengang im Dezember 2000 ließ zwar keine Euphorie aufkommen. Doch Analysten bescheinigen dem Unternehmen mittelfristig gute Wachs-tums-chan-cen. Schon jetzt hat es einen Marktanteil weltweit von gut 23 Prozent am Pflanzenschutzgeschäft. Diesen noch auszubauen, wird angesichts der Konzentration auf derzeit noch sieben Unternehmen mit eigener Forschung weltweit schwierig. Einen weiteren großen Zukauf wird es in absehbarer Zeit schon allein auf Grund kartellrechtlicher Bedenken wohl kaum geben. Vielmehr wird es auch bei Syngenta um die Schärfung der Feinstruktur und um maßgeschneiderte Portfolios mit lukrativen Produkten gehen. Gezielte Ein- und Verkäufe von Produktlinien zur Stärkung des eigenen Produktportfolios sind daher nicht auszuschließen.

Syngenta hat neben der Fokussierung auf das Agrargeschäft auch noch andere Weichen gestellt. Mit dem Motto "Züchten - Beraten - Schützen" will das Unternehmen nach eigener Darstellung nicht nur Pflanzenschutz- und Saatgutprodukte anbieten. Intensive Beratung und zahlreiche Serviceleistungen sollen im Zentrum der Unternehmensaktivitäten stehen. Dabei will es sich künftig an den Bedürfnissen der Landwirte bis hin zu denen der Verbraucher orientieren. "Wir wollen Ansprechpartner für alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette sein", erklärte Dr. Hans Theo Jachmann, Geschäftsführer von Syngenta Agro, kürzlich die Visionen des Unternehmens. Dieser ganzheitliche Gedankenansatz verspricht angesichts der Pannen mit gentechnisch veränderten Produkten langfristig Erfolg. Auch in der Politik werden derzeit die Weichen in diese Richtung gestellt. Syngenta ist mit ihrer Firmenphilosophie auf der richtigen Spur - eine gute Voraussetzung um auch weiterhin ein Vorreiter in der Branche zu bleiben, selbst wenn der Wind angesichts einer Agrarpolitik mit deutlich "grünem" Anstrich möglicherweise auch etwas rauer entgegenschlagen sollte.
 
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