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Big Business

Von Dagmar Rees, Frankfurt am Main

Trockenfutter für Hund und Katze ist für die Mischfutterindustrie ein "Haben wir auch - vertreiben wir mit"-Artikel. Doch Heimtierfutter ist Big Business. Wer dies vergessen hatte, wurde zuletzt wieder daran erinnert, als bekannt wurde, dass der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestle¦, Vevey, den Heimtierfutter-Spezialisten in den USA Ralston Purina, St. Louis, übernehmen wird.

Der Deal ist so groß, dass erst die Federal Trade Commission (FTC), das US-amerikanische Pendant des Kartellamtes, zustimmen muss. Immerhin wird die Nr. 1 auf dem amerikanischen Petfood-Markt von der dortigen Nr. 2 übernommen. Über 20 Mrd. US-§ werden den Besitzer wechseln, wenn der Kauf, wie in Vevey erwartet, bis September genehmigt wird. Heimtierfutter wird dann 12 Prozent zum Umsatz von Nestle¦ beitragen, in der Bedeutung vergleichbar mit den Sparten Süßigkeiten und Kaffee. Mit Ralston Purina verschwindet hingegen einer der letzten großen Hersteller von Petfood, die nichts mit der Nahrungsmittelindustrie zu tun haben. Neben Hunde- und Katzenfutter produziert Ralston Purina lediglich Batterien, die in Deutschland als Energizer Batterien vertrieben werden.

Die drei Großen auf dem internationalen Heimtierfutter-Markt heißen jetzt unangefochten Nestle¦, Mars und Heintz, drei globale Nahrungsmittelhersteller. Diese Kombination macht durchaus Sinn. Für wahre Heimtierliebhaber ist das Futter für Papas Hundchen oder Mutters Kätzchen kein Futter mehr, sondern Nahrung für ein Familienmitglied, das entsprechend auch im Lebensmittelhandel und nicht im Tier-Fachhandel eingekauft wird. Außerdem: Petfood muss man sich leisten können. Es ist kein Zufall, dass Nordamerika 42 Prozent des weltweiten Heimtierfutter-Marktes ausmacht und Europa 40 Prozent. In allen Schwellen- und Entwicklungsländern ist Heimtierfutter ein Luxusartikel. Daher teilen sich drei Kontinente die mageren restlichen 18 Prozent Marktanteil auf.

Katapultiert sich Nestle¦ mit dem Kauf von Ralston Purina in den USA auf Platz 1 der Petfood-Industrie, so bleibt die Mars-Tochter Effem in Deutschland mit geschätzten 60 Prozent Marktanteil unangefochten Marktführer. Beide Firmen werden mit ihren Beziehungen zum Lebensmittelhandel und ihrer Kraft, Marken zu schaffen, den Heimtierfutter- Markt weiterhin "vermenschlichen". Im Kampf der Giganten bleibt für die Mischfutterindustrie nur noch eine Nische in der Nische. "Wir sind stark in Pferde-, Kaninchen- und Zuchtgeflügelfutter", beschreibt die Vertriebsbeauftragte eines Mischfutterwerkes exemplarisch die Trumpfkarten der Spezialisten für Tierfutter. Wo das Tier noch als Tier gesehen wird, nutzen die Käufer gerne die Tierernährungskompetenz der Mischfutterhersteller. Außerdem erhalten sie Qualität zu einem Preis, der nicht mit dem Werbeaufwand der großen Marken belastet ist. Gutes Futter also für Bruno, den Hofhund. Waldi hingegen, der Freund-im-Alter-Dackel, bekommt Gourmet-Food von Nestle¦ und Co.
 
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