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Risiko

Von Dagmar Rees, Frankfurt am Main

Warten auf MKS. Eine unruhige Zeit für alle Nutztierhalter. Seit Beginn der Nicht-Impfpolitik Anfang der neunziger Jahre ist nicht allein der Ausbruch der Seuche auf dem eigenen Betrieb zu fürchten, sondern auch die Bekämpfungsstrategien. Transportverbote und Sperrbezirke richten wirtschaftlichen Schaden gerade auch bei denen an, die die Seuche nur vom Hörensagen kennen. Wer als Milchviehbetrieb zehn Wochen lang seine Milch nicht abliefern kann, hat erhebliche Ertragsausfälle, die ihm niemand ersetzt. Es sei denn, der Betrieb hat eine Ertragsschadenausfallversicherung abgeschlossen. Wer schnell war, konnte dies noch bis vor einigen Wochen tun, jetzt ist auch dieser Weg versperrt. Erst- und Rückversicherer sagen, dass sie ihre Seuchenkontingente mit BSE schon so weit ausgeschöpft haben, dass für MKS keine Kapazitäten bleiben.

Wenn die erste Reaktion auf den Ausstieg aus der MKS-Versicherung als Bestätigung des Vorurteils empfunden wird, dass Versicherungen sich immer dann zurückziehen, wenn man sie braucht, so ist dies verständlich. Etwas differenzierter betrachtet, fällt aber auf, wie wenig Landwirte in Deutschland sich im Vorfeld, das heißt vor Bekanntwerden der Seuche in Großbritannien, überhaupt für eine Tierseuchenversicherung interessiert haben. Schätzungen gehen davon aus, dass nur 10 bis 15 Prozent der Betriebe in Süddeutschland beispielsweise eine MKS-Versicherung haben. Da fragt man sich schon, ob diese große Anzahl nicht versicherter Betriebe schon einmal etwas von Risikomanagement und unternehmerisch verantwortlicher Absicherung der Erträge gehört hat.

Aufgerüttelt von MKS gibt es jetzt Initiativen, ein System zur Agrarversicherung auf die Beine zu stellen. Die Bundesregierung erhielt vom Agrarministerrat in Cottbus den Auftrag, bis zum Herbst einen Vorschlag zu erarbeiten. Fertige Konzepte hat dagegen schon die Versicherungswirtschaft, wie die Münchner Rück beispielsweise. Das heiße Eisen Tierversicherung steht dabei aber erst einmal nicht im Vordergrund. Vielmehr wurden in einem Pressegespräch Pläne für eine Mehrgefahrenversicherung im Pflanzenbau - also Absicherung gegen Sturm, Hagel, Überschwemmung und Dürre - präsentiert. Es gebe auch Konzepte für eine Tierseuchenversicherung, war auf Nachfrage zu hören. Doch in sie müsste der Staat wesentlich stärker eingebunden werden. Schließlich sei das größte nicht kalkulierbare Risiko die Maßnahmen der Behörden zur Seuchenabwehr.

Also doch der Ruf nach dem Staat, auf den sowieso viele Landwirte hoffen und deshalb keine Versicherung abschließen. Die Verantwortung des Staates ist bei der jetzigen Seuchenbekämpfung wirklich höher als früher. Einsehbar ist es deshalb schon, dass sich die Regierungen bei der Verhängung von Seuchenmaßnahmen überlegen sollten, was dies, wirtschaftlich, auch für den Staatssäckel bedeutet. Die Risikoverteilung im neuen Agrarversicherungssystem müsste allerdings wirklich fair ausfallen. Es dürfte nicht der Eindruck zurückbleiben, dass die ursprünglich den Landwirten gewährte Staatshilfe dann erst einmal in die Taschen der Versicherungswirtschaft umgeleitet wird und dort die Kaufkraft unter anderem für die Übernahme von Banken stärkt.
 
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