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Beharrlich

Von Bernd Springer, Frankfurt am Main

Keine acht Monate mehr dauert es, bis in elf Staaten der EU die nationalen Zahlungsmittel eingezogen und Banknoten sowie Münzen des Euro ausgegeben werden. Technisch ist der Handel auf die Stunde Null mehr oder weniger vorbereitet. Warenwirtschafts- und Kassensysteme wurden angepasst, die Buchführung für zwei Währungen ausgelegt. Doch wie steht es mit der Bereitschaft, in der neuen Währung zu denken?

Schon seit dem 1. Januar 1999 gilt der Euro als gemeinsame Währung, die nationalen Währungen werden bis zum 31. Dezember dieses Jahres als Zahlungmittel des Euro mit festen Verrechnungskursen weiter verwendet. Dies führt dazu, dass nur wenige in der neuen Währung denken. Im Handel muss aber ein Bewusstsein für neue Preisstufen entwickelt werden. Die deutschen Waren- und Produktenbörsen notieren nach wie vor in Mark, auch wenn einige wenige auf ihrem Kurszettel die umgerechneten Euro-Werte mit angeben. Diese Werte zeigen jedoch, dass die Handelsbeteiligten die neue Währung noch nicht verinnerlicht haben, denn auf der Euro-Seite fehlen geläufige Abstufungen auf 0,10 oder 0,25 , wie es bei den Notierungen in Mark gebräuchlich ist.

Die Produktenbörse von Braunschweig hat im März angekündigt, zur neuen Ernte die Notierung auf Euro umzustellen, und zwar als Handelswährung und nicht als sekundär errechnete Währung. Begründet wird dieser Schritt damit, dass dies ein Wunsch der im Börsenvorstand vertretenen Landwirte sei. Diese müssen ab dem neuen Wirtschaftsjahr ihre Buchführung und Bilanzierung auf den Euro umstellen. Dies ist zwar auch beim Handel der Fall, doch ist dort das Beharrungsvermögen für die alte Recheneinheit erheblich höher, vielleicht, weil die Buchhaltungssysteme problemlos mit zwei Währungen umgehen können.

Sollte eine Börse mit der Notierung in Euro vorpreschen, wäre es um die unmittelbare Transparenz der Notierungen geschehen. In Hannover, Hamburg und Frankfurt am Main tendiert man zwar dazu, dem Beispiel Braunschweigs zu folgen. In Bremen sieht man auf technischer Seite überhaupt keine Probleme, von heute auf morgen umzustellen, möchte aber ein einheitliches Vorgehen der Produktenbörsen. An den übrigen Börsenplätzen überwiegt aber die Einschätzung, dass die Notierung den Handel widerspiegeln soll, und dieser fände bis zum 31. Dezember in Mark statt. Das konservative Lager der Händler will das Denken in Mark beibehalten, bis die neue Währung greifbar ist.

Um im letzten Halbjahr vor Einführung der Euro-Noten und -Münzen die Transparenz der Notierungen nicht zu gefährden, scheint es notwendig, dass sich die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Waren- und Produktenbörsen mit diesem Thema eingehend auseinander setzt, um zu einer einheitlichen Vorgehensweise zu kommen. Dieses kann emotionslos erfolgen, denn es scheint marginal, ob der "Umstellungsschock" schon zum Wechsel des Wirtschaftsjahres oder erst zum kalendarischen Jahreswechsel stattfindet. Ersteres wäre die progressivere Lösung, letzteres entspräche wohl eher dem Beharrungsvermögen im Agrarhandel.
 
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