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Preisfindung

Von Jan Peters, Hamburg

In Norddeutschland bieten die Exporteure bis zu 25 DM/dt für neuerntigen exportfähigen Brotweizen, der im September nach Hamburg oder Rostock geliefert werden wird. Gebote in dieser Höhe, die damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres liegen, überraschten den Markt. Wie bei Gerste und Roggen wurde auch bei Weizen von einem niedrigeren Preisniveau ausgegangen. Bemerkenswert ist, dass exportorientierte Großhandelshäuser schon jetzt beachtliche Mengen von fast 120 000 bis 150 000 t Weizen der neuen Ernte 2001 in den norddeutschen Überschussgebieten bei den Landhändlern und Genossenschaften gekauft haben.

Die Gebote der Exporteure resultieren in der Erwartung eines gut verlaufenden Exportgeschäftes in der kommenden Saison 2001/02. Der feste Kursverlauf des US-Dollars und die Erwartungen einer geringeren Weizenernte in der EU und weltweit führen bei einigen internationalen Händlern offenbar zu einer freundlichen Marktmeinung. Dies gilt vorerst für die Monate nach der Ernte und ist nicht als Vorbote freundlicher Marktaussichten beim Weizen für das gesamte Wirtschaftsjahr 2001/02 zu werten. Wie die Getreideernte des Kalenderjahres 2001 ausfällt, steht zurzeit buchstäblich noch in den Sternen. Die Witterung gerade in den vergangenen Wochen hat die Erwartungen eher positiv beeinflusst. Trotz des kalten Frühjahrs gehen die meisten Marktbeteiligten nicht mehr von einem verspäteten Erntebeginn aus. Der jetzige Zustand des Wintergetreides kann als gut bezeichnet werden. Wenn die Entwicklung weiter so voran schreitet, ist in Deutschland durchaus mit einer Erntemenge wie im Vorjahr von 21,5 Mio. t Weizen zu rechnen. In der EU sind von Coceral, dem Dachverband des europäischen Getreidehandels, die Erntezahlen von ursprünglich 89 auf 87,7 Mio. t Weizen nach unten korrigiert worden. Einbußen werden bei der britischen und französischen Getreideernte erwartet. Weltweit gesehen werden auch andere wichtige Weizenanbauländer wie die USA und Kanada bei ohnehin niedrigen Lagerbeständen geringere Weizenernten einfahren. Diese geringeren Erntemengen werden durch höhere Ernteerwartungen in Argentinien und Australien bei weitem nicht ausgeglichen.

Die derzeitigen Kaufideen des Exporthandels von 25 DM/dt franko Seehafen in Rostock und Hamburg für die Lieferung im September lassen in Deutschland Erzeugerpreise beim Weizen erwarten, die in etwa auf Vorjahresniveau liegen werden. Doch sollte der Erfassungshandel bei den Erzeugerpreisen genau kalkulieren. Die Kaufideen des Exporthandels werden in Zukunft nicht in den Himmel schießen. Denn die gleichen Gegebenheiten wie im Vorjahr dürften sich in diesem Jahr wohl nicht wiederholen. So wird der Preisdruck in dieser Saison wohl geringer ausfallen, da deutschlandweit eine qualitativ bessere Ernte erwartet wird und auch die Erntemenge nicht nur in Norddeutschland höher ausfallen dürfte. Nach dem jetzigen Kenntnisstand wird auch in Nordafrika nicht mehr so viel Weizen wie im abgelaufenen Wirtschaftsjahr benötigt werden. Selbst wenn eine geringe Welternte an Weizen eventuell eine höhere Nachfrage nach deutschem Brotweizen vermuten lässt, sollte die Erzeugerpreisfindung der Ernte 2001 trotz der im Augenblick günstig anmutenden Ausgangslage mit Umsicht erfolgen.
 
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