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Segen

Von Dagmar Rees, Frankfurt a.M.

Die Opec-Minister trafen sich Mitte dieser Woche, ohne eine Entscheidung über eine Ausweitung der Fördermengen für Öl zu treffen. Die Forderung stand im Raum, nachdem der Irak kein Öl mehr liefert, die USA nach Benzin schreien, die deutschen Bundesbürger unter Benzinpreisen über 2 DM/l stöhnen und die Notierungen für Brent-Rohöl sich der 30 US-$/Barrel-Marke nähern.

Die Opec, die für rund 60 Prozent der Ölexporte und rund 40 Prozent der gesamten Ölfördermenge weltweit steht, kann leicht gelassen bleiben. Für ihre zehn Mitgliedstaaten ist die Situation bekömmlich. Zwar haben sie vor einem Jahr beschlossen, den Preis für 1 Barrel Rohöl bei durchschnittlich 25 US-$/Barrel und innerhalb einer Spanne von 22 bis 28 US-$/Barrel zu halten. Doch argumentieren sie, dass die augenblickliche Knappheit an Benzin in den USA nicht auf Mangel an Rohöl beruhe, sondern auf Engpässen in den Raffinerien. Die Rohstoffbestände seien vergleichsweise gut gefüllt. Entsprechendes gilt auch in Europa und besonders für Deutschland. Zusätzliche Preistreiber hier sind die Ökosteuer, der hohe US-Dollarkurs und die Benzinpreispolitik der Konzerne. Die Opec-Sitzungen lassen auch die Agrarbranche nicht kalt. Die Preishausse bei Heizöl, Benzin und Diesel blähte bei Händlern und Genossenschaften, die mit Mineralöl- und Brennstoff handeln, die Umsatzzahlen in der Bilanz 2000 auf. Wie viel unter dem Strich beim Ertrag im Brennstoffhandel übrig blieb, darüber herrscht großes Schweigen. Der Mineralölmarkt war so extrem wechselhaft und unberechenbar, dass so manche Mark verloren gegangen sein dürfte. Nicht nur der Handel, auch die Landwirte werden die jetzige Entscheidung und die sich damit andeutende Tendenz, dass die Opec sich eher am oberen Segment der selbst gesetzten Preisspanne orientieren will, mit gemischten Gefühlen bewerten. Wohl dem, der Raps anbaut. Die Hochkonjunktur bei Raps, beruht zum Großteil auf der starken Nachfrage nach Biodiesel. Berechnungen gehen davon aus, dass die Biodieselproduktion ab einem Rohölpreis von 30 US-$/Barrel ohne Subventionen konkurrenzfähig ist. Damit wäre ein Preisniveau für Rohöl, wie die Opec es gerade stabilisiert hat, für die Biodieselproduktion ein Segen. Wer keinen Raps anbaut, den trifft dieses Preisniveau jedoch empfindlich. Der einzige Vorteil für die Getreidebauern könnte sein, dass auch die amerikanischen Landwirte unter hohen Energiekosten stöhnen. Höhere Dieselpreise auch in den USA könnten die Differenz in den Produktionskosten für Getreide zwischen den USA und Europa zum Vorteil Europas verringern. Denn europäische Landwirte nutzen ihre Energie wesentlich effizienter.

Die Opec-Minister treffen sich am 3. Juli erneut. Fallen die Lieferungen aus dem Irak längerfristig weg, wird vermutet, dass sie die täglichen Fördermengen mindestens um jene 100 000 Barrel erhöhen werden, die der Irak jeden Tag zur Weltölproduktion beitrug. 100 000 Barrel mehr Fördermenge müssen jedoch den Markt noch um keinen Cent bewegen. Interessant für den Rapsanbau bleibt in der jetzigen Situation weiterhin der US-Dollarkurs. Bleibt er hoch und hält der Biodieselboom an, fördert dies den Rapsanbau.
 
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