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Imagepflege

Von Jörg Foshag, Paris

Jean-Michel Lemþetayer, frisch gebackener Präsident des französischen Bauernverbandes FNSEA, will das Image der Landwirtschaft in Frankreich verbessern. Dieses Image hat in den vergangenen Monaten arg gelitten. BSE-Krise und die Maul- und Klauenseuche (MKS) belasten die Agrarier, obwohl sie in ihrer Mehrzahl dafür nicht verantwortlich sind. Das angeschlagene Vertrauen der Verbraucher in die Landwirte und deren Produkte hofft der neue FNSEA-Präsident zurückzugewinnen - in erster Linie durch eine verbesserte Kommunikation, wie er betont. Doch es fragt sich, ob die gegenwärtige Misere nur ein Problem verfehlter Kommunikation ist.

Der neue FNSEA-Chef will künftig erreichen, dass die Landwirte bei der Definition der nationalen Agrarpolitik und den internationalen Agrarverhandlungen in höherem Maße präsent sind. Gleichzeitig lehnt er eine überstürzte Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in der EU ab. Und überdies: Für Lemþetayer sind die Erzeugerpreise der wichtigste Faktor bei der Bildung der landwirtschaftlichen Einkommen - auch wenn er sich für direkte Zahlungen als ergänzendes Element ausspricht und eine Diskussion über die Beihilfenpolitik in der EU nicht von vornherein ablehnt. Eine Aushöhlung der GAP will der neue FNSEA-Präsident aber auf Biegen und Brechen verhindern. Im Grunde sind dies Forderungen, die bislang alle FNSEA-Präsidenten erhoben haben. Lemþetayer bestätigt bislang zwar die Vermutung, dass er für Kontinuität sorgen will. Aber er wünscht eben "nur" ein besseres Image seines Verbandes und der Landwirtschaft insgesamt.

Der neue FNSEA-Präsident betreibt mit seinem Bruder einen 90 ha-Betrieb in der Bretagne, der sich auf die Milchproduktion konzentriert. Er hat eine klassische Verbandskarriere hinter sich, die mehr als 25 Jahre dauerte. Lemþetayer stieg über den Verband der Junglandwirte in die Spitze der FNSEA auf. Gleichzeitig profilierte er sich im Verband der französischen Milcherzeuger, dessen Präsident er 1995 wurde. In dieser Eigenschaft hat er sich einen Ruf als harter Verhandler erworben. Dennoch ist nicht anzunehmen, dass er an der Spitze der FNSEA einen wesentlich anderen Kurs einschlagen wird als sein Vorgänger Luc Guyau, der die Präsidentschaft der Spitzenorganisation der französischen Landwirtschaftskammern jetzt übernommen hat. Guyau hat den Bauernverband FNSEA mehr als zehn Jahre geleitet. Er ist zum Schluss mit der Krise um BSE und MKS und vor allem mit seinem miserablen Verhältnis zum sozialistischen Landwirtschaftsminister Jean Glavany in eine schwierige Situation geraten.

Wehmütig denkt die Landwirtschaft hierzulande an die Zeit zurück, als der Landwirtschaftsminister politisch eine Schüsselfigur war und der Bauernverband FNSEA die französische Agrarpolitik mitbestimmte, wenn nicht gar dirigierte. Die ersten Žußerungen des neuen FNSEA-Präsidenten lassen darauf schließen, dass auch er diese Position zurückgewinnen will. Möglich, dass es ihm gelingt, wieder ein besseres Verhältnis zum Landwirtschaftsminister aufzubauen. Das Verhältnis der Landwirtschaft zu den Verbrauchern wird sich jedoch nicht so leicht verbessern lassen. Denn die Ansprüche der Verbraucher heute sind höher geworden sind, und es haben sich diffuse Umweltängste installiert. Dem wird Lemþetayer Rechnung tragen müssen. Eine Imagepflege allein mit verbesserter Kommunikation reicht nicht aus.
 
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