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Anfänge

Von Hermann Steffen, Bonn

Der Einsatz von Sojaschrot aus gentechnisch nicht veränderten Bohnen war für den Agrarsektor in Deutschland bisher noch kein großes Thema, auch wenn die beiden größten deutschen Mischfutterhersteller bereits kleine Produktionslinien damit fahren und der Marktführer im Geflügelbereich seine Produktion komplett auf GVO-freies Sojaschrot umgestellt hat. Kürzlich jedoch traten der Deutsche Bauernverband und der Verband Deutscher Ölmühlen in einer gemeinsamen Erklärung dafür ein, künftig zwei Produktionslinien bei Schrot mit unterschiedlichen Preisen anzubieten. Doch gerade die durch Transport, Logistik und Kontrollen um rund 30 DM/t und mehr höheren Preise für GVO-freies Schrot aus Brasilien haben hierzulande bislang einen Nachfrageschub der Landwirte verhindert.

Obwohl der Anbau von gentechnisch veränderten (GV-)) Sojabohnen in Brasilien offiziell verboten ist, nimmt der Anbau von GV-Sorten auf Grund eines lebhaften Saatgut-Schmuggels entlang der Grenze nach Argentinien sprunghaft zu. Schätzungen gehen davon aus, dass in Brasilien inzwischen bereits mehr als 30 Prozent GV-Soja angebaut wird. GVO-freies Schrot lässt sich somit nur noch aus dem Norden Brasiliens über kontrollierte Anbauverträge beschaffen. So zeichnet sich schon heute ab, dass die verfügbaren Mengen an GVO-freiem Schrot in der Zukunft begrenzt sein dürften.

Die Resonanz bei den deutschen Ölmühlen auf die Erklärung der Verbände für eine zweite Produktionslinie und die separate Verarbeitung von GVO-freien Bohnen fällt unterschiedlich aus. In Neuss und Mannheim will man damit "nichts am Hut haben". In Mainz hält man sich Optionen offen, und nur in Hamburg werden bisher GVO-freie Bohnen getrennt verarbeitet. Der Absatz dieses Schrotes erfolgt aber ausschließlich nach Skandinavien. Bei besserer Auslastung dieser Schiene ließe sich zwar nach Auffassung des Verarbeiters das Aufgeld auf derzeit rund 21,50 DM/t drücken, aber eine deutliche Prämie bleibt allemal. Bei steigender Nachfrage und höchstwahrscheinlich höheren Forderungen für GVO-freie Bohnen in Brasilien lässt sich mittelfristig sogar eine Erhöhung der Aufgelder kaum ausschließen.

Einig sind sich alle Beteiligten darüber, dass eine Nulltoleranz bei den heutigen feinen Analysemethoden nicht machbar sei. In der Praxis hat sich bisher ein Grenzwert mit einer maximalen Belastung von 1 Prozent GVO-Anteil als sinnvoll erwiesen. Eine Norm, die auch von der EU-Kommission in Brüssel vorgeschlagen wird. Wenn zurzeit erst etwa 4 Prozent des europäischen Sojaschrotverbrauches von rund 24 Mio. t auf GVO-freies Schrot entfallen, zeugt dies für ein kleines Marktsegment, das sich voraussichtlich nur im Rahmen einer integrierten Veredelungskette ausbauen lässt. Die Frage wird sein, ob der Verbraucher bereit ist, für die Endprodukte Eier und Fleisch an der Ladentheke mehr zu bezahlen. Für die Ende des Jahres geplante Fachtagung der Verbände zu diesem Thema scheint es daher unbedingt notwendig zu sein, Vertreter aller Beteiligten in der integrierten Kette an einen Tisch zu bekommen. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein.
 
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